Großrazzia im Irak "Wir gehen mit überwältigender Kampfkraft vor"

Fast täglich greifen irakische Widerstandskämpfer amerikanische Soldaten an, fast wöchentlich kommt es zu groß angelegten Razzien der US-Armee, um Aufständische zu bekämpfen. Nun haben alliierte Verbände eine große Offensive im Zentralirak gestartet.

Bagdad - Mit der am Sonntag begonnen Offensive sollen die anhaltenden Angriffe auf alliierte Soldaten gestoppt werden, teilten die US-Streitkräfte mit. Die mehrtägige Militäraktion namens "Desert Sidewinder" erstrecke sich über Zentralirak, von der iranischen Grenze bis nördlich von Bagdad.

"Wir gehen mit einer überwältigenden Kampfkraft vor, so dass unsere Gegner nicht an Gegenwehr denken werden", sagte Oberstleutnant Mark Young in Camp Boom 50 Kilometer nordöstlich von Bagdad. Die Truppen nahmen bereits einige Iraker fest. In Chalis, 70 Kilometer nördlich der irakischen Hauptstadt, wurde ein Mann verhaftet, der nach Armeeangaben junge Kämpfer für Angriffe gegen US-Soldaten rekrutiert haben soll. In der sunnitischen Stadt Dodschima durchsuchten die Truppen mehrere Häuser mutmaßlicher Anhänger von Saddam Hussein, in denen sich Waffenlager befunden haben sollen.

Die Angriffe auf die Besatzungstruppen haben in den vergangenen Tagen zugenommen. Erst am Sonntagmorgen wurde bei einem Überfall auf einen US-Militärkonvoi ein irakischer Zivilist getötet und zwei Soldaten wurden verletzt. Der Vorfall ereignete sich laut Militärangaben im Südwesten Bagdads auf der Straße zum Flughafen. Kurz zuvor hatten Gegner der amerikanischen Besetzung eine US-Patrouille westlich von Bagdad mit Granaten beschossen. Nach Militärberichten gab es keine größeren Schäden. Die Angreifer flohen.

201 getötete US-Soldaten

Am Samstag waren zwei seit drei Tagen vermisste US-Soldaten nördlich von Bagdad tot aufgefunden worden. Eine US-Militärkolonne wurde am späten Freitagabend im schiitischen Bagdader Viertel Thaura angegriffen - ein Soldat wurde getötet, vier weitere und ein als Dolmetscher arbeitender irakischer Zivilist wurden Militärangaben zufolge verletzt. Insgesamt stieg die Zahl der im Krieg und danach getöteten US-Soldaten auf 201. Davon kamen 63 nach dem am 1. Mai erklärten Ende der Kampfhandlungen ums Leben.

US-Zivilverwalter Paul Bremer können die ständigen Verluste nicht gefallen. Für den irakischen Widerstand macht er die Tatsache mitverantwortlich, dass Ex-Präsident Saddam Hussein noch nicht gefasst wurde. Dessen ungeklärtes Schicksal trage zu den andauernden Angriffen bei. Furcht vor einer Rückkehr Saddam Husseins an die Macht halte die Iraker von der Zusammenarbeit mit den Alliierten ab, sagte Bremer am Sonntag. "Es ist wichtig, dass wir ihn ergreifen oder töten."

Weil Irak seit 30 Jahren keine Erfahrung mit der Demokratie habe, sei es schwierig, eine Übergangsregierung zu bilden, sagte Bremer weiter. Er kündigte eine Konferenz für den kommenden Monat an, um mit der Ausarbeitung einer Verfassung zu beginnen. Nach seinen Angaben arbeiten derzeit 240 Krankenhäuser im Land wieder. Die Hauptstadt Bagdad werde 18 bis 20 Stunden pro Tag mit Strom versorgt.

Schüsse auf deutschen Diplomaten

Auch der deutsche Geschäftsträger in Bagdad, Claude Robert Ellner, wurde angegriffen. "Bild am Sonntag" berichtet, Unbekannte hätten zwei Mal kurz hintereinander das Feuer auf den ungepanzerten Wagen des Diplomaten eröffnet. Der Vorfall habe sich bereits vor einer Woche ereignet. Personenschützer der GSG-9 hätten zurückgeschossen. Ellner sei nicht verletzt worden. Das Auswärtige Amt wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.

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