Großübung zur Bündnisverteidigung Die Nato probt den Ernstfall - der Gegner dürfte klar sein

Es beginnt mit Cyberattacken und eskaliert im Bündnisfall: Mit einer Großübung simuliert die Nato einen Angriff und die militärische Reaktion.
Nato-Hauptquartier in Brüssel

Nato-Hauptquartier in Brüssel

Foto: Thierry Monasse/DPA

Die Nato spielt in der kommenden Woche eine Attacke Russlands auf einen Partner und die militärische Reaktion der Allianz durch. Dazu startet am 9. Mai eine sechstägige Großübung im Nato-Hauptquartier und den Verteidigungsministerien der Mitgliedstaaten.

Das Manöver soll vor allem sicherstellen, dass die Nato in einem tatsächlichen Ernstfall schnell politisch entscheidungs- und handlungsfähig ist. Die sogenannte "Crisis Management Exercise" (kurz CMX genannt) ist mehr als Routine. Seit Monaten stecken Militärs und Nato-Beamte in den Vorbereitungen.

Alle Details sind als "Nato secret" eingestuft, da der Nato-Rat und der militärische Apparat alle Schritte eines Kriegsszenarios vollziehen werden, von der Erklärung des Bündnisfalls nach Artikel 5 bis zur Planung der militärischen Reaktion der Nato auf die Attacke. Es ist die 22. derartige Übung seit der Gründung des Bündnisses.

Bei der CMX19 sollen vor allem die politischen Entscheidungsprozesse der Nato evaluiert werden. Die Planer haben deswegen ein Drehbuch entworfen, das eine mögliche Aggression Russlands gegen die Nato in verschiedenen Stufen skizziert. So will die Allianz testen, ob die internen Mechanismen sitzen.

In realistischen Sitzungen berät laut dem Ablaufplan der Nato-Rat in Brüssel täglich die Reaktionen der Allianz. In dem Übungsszenario wird Russland nicht namentlich als Angreifer genannt. Diplomatisch verklausuliert ist nur von einer aggressiven Macht die Rede, die Kerneuropa attackiert und über Kernwaffen verfügt.

Laut Szenario beginnt die simulierte Attacke nach einem sogenannten hybriden Muster: Zunächst werden Cyberangriffe auf Nato-Partner im Norden der Allianz festgestellt. Dann sickern ähnlich wie bei der Annexion der Krim inoffizielle militärische Einheiten in die Staaten ein.

Nach ersten Konsultationen des Nato-Rats nach Artikel vier der Allianz soll dann der Bündnisfall nach Artikel fünf ausgerufen werden. Dann verteidigt die Allianz den Partner, dies hat es in der Geschichte der Nato bisher nur nach den Terrorattacken des 11. September gegeben.

Statt um Abschreckung geht es um die internen Prozesse

Bei früheren Übungen hatte man die militärische Reaktion nach der Erklärung des Bündnisfalls ausgespart, jetzt aber soll der Nato-Militärausschuss darüber beraten. Ein virtueller Einsatz von Atomwaffen wurde allerdings vorab ausgeschlossen. Trotzdem soll die Übung beweisen, dass die Nato handlungsfähig ist.

Soldaten oder Panzer werden bei der CMX-Übung nicht bewegt. Statt um Abschreckung geht es um die internen Prozesse: Wie lange braucht der Nato-Rat für die weitreichenden Entscheidungen? Wie lange müssen sich die Botschafter mit ihren Regierungen absprechen? Welche Informationen muss die Nato bereitstellen?

In Deutschland nimmt das Wehrressort in Berlin als symbolische Vertretung der Bundesregierung an der Übung teil. Dort simuliert man auch die Einbindung des Kabinetts und des Parlaments bei einer möglichen Mobilisierung der Bundeswehr.

Parallel zur Nato-Übung wollen die deutschen Behörden auch ihre Zusammenarbeit im Krisenfall erproben. So sollen im Zuge der militärischen Aggression auch zwei Cyberangriffe und ein Terroranschlag in Deutschland simuliert und die Reaktion der Behörden getestet werden. Am 15. Mai endet die Übung.

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