Grubenunglück in Türkei Polizei feuert Tränengas auf Demonstranten in Soma

Der Konflikt zwischen Demonstranten und Polizei in der türkischen Bergbaustadt Soma wird schärfer: Mit Tränengas und Wasserwerfern treiben die Einsatzkräfte Tausende Protestierende auseinander.

Türkische Polizei nutzt Wasserwerfer: Demonstranten in Soma flüchten
DPA

Türkische Polizei nutzt Wasserwerfer: Demonstranten in Soma flüchten


Soma - In der türkischen Bergbaustadt Soma eskaliert der Konflikt zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften: Die Polizei feuerte Tränengas auf mehrere Tausend Demonstranten und setzte massiv Wasserwerfer ein. Die Nachrichtenagentur AFP meldet zudem den Einsatz von Gummimantelgeschossen.

Die Demonstranten zogen laut der Nachrichtenagentur Reuters gerade durch eine Einkaufsstraße in Soma, als die Polizei sie attackierte. Hunderte flüchteten vor dem Beschuss in Seitenstraßen.

Seit dem Einsturz eines Kohlebergwerks, bei dem bislang 284 Arbeiter getötet wurden, steht die türkische Regierung und insbesondere Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in heftiger Kritik.

Erdogan wird ein arroganter Umgang mit dem Unglück und der Kritik an seinem Verhalten vorgeworfen. Zuletzt gab es Vorwürfe, er habe einen jungen Mann im Unglücksort Soma geohrfeigt. Türkische Oppositionspolitiker und Internetaktivisten empörten sich. Die Szene soll auf einem Video festgehalten sein - allerdings ist die Sequenz verwackelt, sodass Erdogans Verhalten nur undeutlich zu erkennen ist. Zuvor war einer seiner Berater fotografiert worden, wie er auf einen am Boden liegenden Demonstranten eintrat.

Erdogan war bei seinem Auftritt in Soma von einer Menschenmenge ausgebuht und ausgepfiffen worden. Sicherheitskräfte bahnten ihm den Weg durch Demonstranten in ein Geschäft. Dort kam es zur Konfrontation mit einem jungen Mann.

Dieser sagte, der Ministerpräsident habe ihn unbeabsichtigt geschlagen, weil dieser wütend auf die Demonstranten gewesen sei und die Kontrolle verloren habe. "Ich werde den Herrn Ministerpräsidenten nicht anzeigen. Ich erwarte nur eine Entschuldigung", sagte Taner Kuruca. Oppositionspolitiker kritisierten Erdogan scharf.

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ade/AFP/Reuters

insgesamt 14 Beiträge
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gamh 16.05.2014
1. Macht zu Kopfe gestiegen
Recep Tayyip Erdogan ist ganz offensichtlich die Macht zu Kopfe gestiegen. Gewaltsame Niederschlagung von Protesten ist ihm zur Gewohnheit geworden, Bestechungen im eigenen Lager sind hip, unliebsame bzw. unbeugsame Staatsanwälte und Richter werden ausgetauscht und jegliche Kritik wird unterdrückt. Was mich sehr wundert ist dabei, wie viele türkische Polizisten doch bereit sind, auf wehrlose und friedlich demonstrierende Landsleute zu schiessen. Wie lange lässt sich die türkische Bevölkerung das noch gefallen? Gruss, gamh
Meckerliese 16.05.2014
2. eine Sauerei ist das
Hoffentlich gehen nun den Türken einige Lichter auf was sie da an ihrer Staatsspitze haben. Warum wählt man ihn immer wieder? Gibts keine Alternative dazu?
bernhard 16.05.2014
3. Die Rolle der Polizei ...
Zitat von sysopDer Konflikt zwischen Demonstranten und Polizei in der türkischen Bergbaustadt Soma wird schärfer: Gewaltsam treiben die Einsatzkräfte Tausende Protestierende auseinander. http://www.spiegel.de/politik/ausland/grubenunglueck-in-tuerkei-polizei-feuert-auf-demonstranten-in-soma-a-969898.html
Wir können feststellen: in vielen Ländern der Erde, welcher politischen Ausrichtung auch immer, läuft es immer mehr auf einen Konflikt der Staatsführung gegen das Volk hinaus. Und die Staatsführung wird machtvoll repräsentiert durch Polizei ohne ähnliche gewaltbereite Kräfte, obwohl auch die das Volk sind. Wir haben die Aufgabe, diesen inneren Konflikt deutlich zu machen und auch den Stellvertretern der Staatsführung klar zu machen, dass sie gegen ihre Brüder und Schwestern töten - für eine zweifelhafte Machtfrage.
recepcik 16.05.2014
4. Anders kann die türkische Regierung nicht
Sie hat nicht einmal Verständnis für die Menschen in einer kleinen Stadt, in der fast jeder direkt oder indirekt von der Katastrophe betroffen ist. Die Polizei ist längst nicht mehr das was sie sein sollte sondern eine Schutztruppe der AKP Regierung.
studibaas 16.05.2014
5. Frechheit
Tränengas benutzen unsere Polizisten nie. Und statt Gummigeschosse sollen sie sich Mann gegen Mann mit Gummiknüppel und Vollrüstung wehren, wie in Deutschland auch. Immerhin tragen die meisten wg. passiven Bewaffnungsschutz kaum Rüstung wie unsere Polizisten, das sollte doch reichen, oder? Ps.: Wer Ironie findet darf sie behalten.
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