Grundsatzurteil in Ägypten Christliche Konvertiten dürfen Islam wieder verlassen

Historische Entscheidung in Kairo: Das Oberste Verwaltungsgericht hat entschieden, dass Christen, die zum Islam konvertiert sind, wieder zu ihrer ursprünglichen Konfession zurückkehren dürfen. Radikalislamische Militante sind empört.


Kairo - Der monatelange Kleinkrieg hat ein Ende: Das Oberste Verwaltungsgericht in Kairo erlaubt Christen, die zum Islam übergetreten sind, die Rückkehr in den Schoß der koptischen Kirche. Die Richter ordneten zudem an, in den Personalausweisen der Konvertiten die alte, neue Konfessionszugehörigkeit einzutragen - zum Ärger einer Gruppe islamischer Extremisten.

Sprecher der militanten radikalislamischen Muslimbruderschaft sehen in der nicht anfechtbaren Entscheidung des Gerichtshofes eine "Verschwörung gegen islamische Werte". Die Gruppe verlangt nach ihrer Auslegung die Todesstrafe für Gläubige, die dem Islam den Rücken kehren. Die konfliktbereiten Überfrommen befürchten, dass mit dem historischen Richterspruch jährlich mehrere tausend ägyptische Christen wieder in die Mutterkirche überwechseln. Hintergrund der Übertritte: Die Betroffenen sollen sich offiziell zum Islam bekannt haben, um sich von ihren Ehefrauen scheiden lassen zu können - denn das erlaubt die koptische Kirche nicht.

Entscheidungsträger im Innenministerium befürchten wachsende Spannungen mit der Muslimbruderschaft. Diese hatte erst vor wenigen Wochen christlichen Staatsbürgern das Recht abgesprochen, für das Amt des Staatspräsidenten zu kandidieren.

Volkhard Windfuhr, Kairo



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