Guantanamo Ärzte sollten Häftlinge weich kochen

Der Eid des Hippokrates zählt nicht viel im US-Gefangenenlager Guantanamo. Nach Informationen der "New York Times" halfen Ärzte den Militärs dabei, die Häftlinge psychisch zu brechen. Sie gaben Ratschläge, wie sich Ängste schüren und der Stress erhöhen lassen.


Camp Delta auf Guantanamo: Panische Angst eines Gefangenen vor Dunkelheit ausgenutzt
AP

Camp Delta auf Guantanamo: Panische Angst eines Gefangenen vor Dunkelheit ausgenutzt

Washington - Mit dieser Technik sollten Gefangene kooperativer und auskunftsbereiter gestimmt werden, berichtet die "New York Times". In einem Fall sei den Verhörexperten mitgeteilt worden, dass ein Gefangener krankhafte Furcht vor der Dunkelheit habe. Die Ärzte hätten Hinweise gegeben, wie man diesen Umstand nutzen kann. In einem weiteren Fall habe man versucht, die Sehnsucht eines Häftlings nach seiner Mutter auszunutzen. "Sie sollten uns dabei helfen, die Gefangenen zu brechen", sagte ein ehemaliger Verhörexperte der "New York Times" über die Aufgabe der Ärzte.

Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf Interviews mit ehemaligen Verhörexperten auf Guantanamo. Auch die Zeitschrift "The New England Journal of Medicine" berichtet laut "New York Times" in dieser Woche über entsprechende Vorgänge in dem Gefangenenlager. Danach ging es bei dem Einsatz der Ärzte ausdrücklich darum, den Stress und die Ängste von Gefangenen zu erhöhen, um an geheime Informationen zu gelangen. Dieses Verhalten sei nicht mit dem Berufsethos von Ärzten vereinbar, sagte Stephen Xenakis, ein Psychiater und ehemaliger General der US-Armee.

Bryan Whitman, ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, äußerte sich nicht zu den Einzelheiten der Berichte. Während manche Ärzte für die "menschenwürdige Behandlung von Gefangenen" zuständig seien, hätten andere möglicherweise "andere Aufgaben", sagte Whitman - etwa die von Verhaltensforschern, um den Charakter von Häftlingen einzuschätzen.

Das US-Militär erlaubte der "New York Times" nicht, medizinisches Personal in dem Gefangenenlager zu interviewen. Das US-Verteidigungsministerium betonte, dass die Gefangenenbehandlung in Guantanamo keine ethischen Richtlinien verletze.



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