Guantanamo Freilassung des Bremer Taliban entpuppt sich als Gerücht

Der Bremer Türke Murat Kurnaz sitzt allem Anschein nach weiterhin in Guantanomo Bay in Haft. Das US-Verteidigungsministerium dementierte jetzt die Gerüchte über eine Freilassung des Mannes.


Istanbul/Bremen - Das Gerücht, Murat Kurnaz sei in den südtürkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik ausgeflogen worden, hielt sich beharrlich den ganzen Tag. Bestätigt wurde es nicht. Der Anwalt des Türken, Baher Azmy, sagte, der Rechtsvertreter des US-Verteidigungsministeriums habe ihm in der Nacht zu heute auf eine E-Mail-Anfrage geantwortet, Kurnaz sei nicht entlassen worden.

Auch die US-Botschaft in Ankara dementierte Berichte türkischer Zeitungen. Ein Botschaftssprecher sagte, es lägen keine Informationen über eine bevorstehende Freilassung Kurnaz' oder andere in Guantanamo festgehaltener Türken vor. Azmy berichtete, eine offizielle Stellungnahme des türkischen Militärs, von dem die Nachricht von der Freilassung stammen soll, sei zunächst nicht zu erhalten.

Die Mutter des Inhaftierten, Rabiye Kurnaz, sein deutscher Anwalt Bernhard Docke und dessen US-Kollege Azmy waren gestern in die Türkei gereist, um Klarheit über das Schicksal des 22-Jährigen zu bekommen. Das türkische Militär soll dem Großvater des Inhaftierten mitgeteilt haben, Murat sei freigelassen worden. "Soweit die türkischen Medien melden, dass Murat Kurnaz bereits in der Türkei sei oder er bei seinen Großeltern weile, kann ich dies leider nicht bestätigen", erklärte der Anwalt Docke heute. Er sprach von einer "ungeheuren Mediengerüchteküche".

Ungewiss ist weiterhin, ob Kurnaz als gebürtiger Bremer mit türkischem Pass nach Bremen zurückkehren und dort dauerhaft leben kann. Bremens Innensenator Thomas Röwekamp (CDU) erklärte heute, dass die Aufenthaltserlaubnis des Mannes wegen seiner sechsmonatigen Abwesenheit automatisch erloschen sei. Rechtsanwalt Docke habe dagegen Rechtsmittel eingelegt, das verwaltungsrechtliche Verfahren laufe noch. Wolle Kurmaz wieder nach Deutschland einreisen, müsse er sich zunächst bei einer deutschen Botschaft um ein Visum bemühen. In Bremen könne er dann eine neue Aufenthaltsgenehmigung beantragen.

Kurmaz war im Herbst 2002 nach Pakistan gereist und dort wegen angeblicher terroristischer Kontakte verhaftet worden. Seit Januar sitzt er in Haft in Guantanomo Bay.



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