Guantanamo Häftling nach 13 Jahren nach Marokko überstellt

Die USA kommen bei der Schließung des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba nur langsam voran. Nun wurde ein Mann entlassen, der 13 Jahre lang ohne Anklage inhaftiert war.

Die Zäune von Guantanamo: Noch immer sind mehr als 100 Menschen inhaftiert
AFP

Die Zäune von Guantanamo: Noch immer sind mehr als 100 Menschen inhaftiert


Ein mehr als 13 Jahre lang im US-Gefangenenlager Guantanamo festgehaltener Marokkaner ist in seine Heimat gebracht worden. Der 47-jährige Younis Chekkouri kam 2002 als mutmaßlich islamistischer Kämpfer aus Afghanistan in das Lager. Nun wurde er nach Angaben des Pentagon in sein Heimatland Marokko überstellt.

Dabei seien sowohl Sicherheitsaspekte berücksichtigt als auch eine "humane" Behandlung des 47-jährigen Gefangenen nach der Rückkehr in sein Heimatland vereinbart worden. Unklar war zunächst, ob er dort erneut inhaftiert, unter Hausarrest gestellt oder freigelassen wird.

Dem "Miami Herald" zufolge wurde er bereits 2009 zur Freilassung freigegeben und während der 13 Jahre in Haft nicht angeklagt. Mit dem Transfer verbleiben noch 115 Häftlinge in Guantanamo Bay.

Nach Angaben der britischen Organisation Reprieve, die sich für die Rechte Gefangener einsetzt, wird Chekkouri in Marokko an einem unbekannten Ort festgehalten und hat keinen Kontakt zu seinem Anwalt. Reprieve sprach von einem offensichtlichen Bruch marokkanischen Rechts.

Die Schließung von Guantanamo gehört zu den wichtigsten Zielen von Präsident Barack Obama, dessen Amtszeit in 16 Monaten endet. Vor allem Republikaner im Kongress sperren sich aber gegen eine Verlegung von Insassen in die USA. Beim Transfer in Drittländer fürchten Kritiker dagegen, dass Gefangene sich nach ihrer Freilassung dem Terrorkampf anschließen könnten.

Nach Ansicht von Pentagon-Chef Ashton Carter soll etwa die Hälfte der Guantanamo-Häftlinge für immer hinter Gittern bleiben. Die US-Behörden erwägen derzeit die Verlegung von Guantanamo-Insassen in die USA, etwa in das Militärgefängnis Fort Leavenworth im Bundesstaat Kansas.

Das Lager auf dem US-Marinestützpunkt wurde 2002 nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem Beginn des Militäreinsatzes in Afghanistan eröffnet. Ziel war es, Terrorverdächtige ohne Kriegsgefangenenstatus dort festzuhalten. Zeitweise befanden sich mehr als 800 Männer in dem Lager. Anklagen oder gar Prozesse gab es in Guantanamo nur selten - die meisten Gefangenen wurden und werden ohne Gerichtsverfahren oder rechtlichen Beistand festgehalten.

kbl/AFP/dpa

insgesamt 16 Beiträge
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markoffchaynie 17.09.2015
1. Dreckig
13 Jahre ohne Anklage. Wie dreckig ist das denn? Ein Hoch auf unsere demokratisch amerikanischen Freunde. Eine echte Vorbildfunkti
keksguru 17.09.2015
2. tickende Zeitbomben
die Insassen von Guantanamo werden vermutlich keine Lobeshümnen auf die USA singen... wenn mir das passiert wäre, dann wäre ich jedenfalls voller Haß auf die Nation, die mich da eingeknastet hätte... und dank eines begnadeten Sprachtalentes wäre ich nach 10 Jahren Getmo wohl fließend in Arabisch und Afghanisch, und würde nach meiner Freilasung auch fleißig Netzwerke spinnen...
redbayer 17.09.2015
3. Wow, das ist schon eine
Schlagzeile wert. Der Weltmachtführer Obama lässt einen unbescholtenen Muslim angeblich frei, der illegal eingefangen und verschleppt sowie 13 Jahre lang gefoltert wurde, den man nie vor einem geheimen Gericht anklagen konnte - weil einfach nichts zu finden war - was der amerikanische Rächer hätte verwenden können. Aber macht nichts, jetzt muss der arme geschundene Tropf zu den "Westfreunden" nach Marrokko, da wird er dann so weggesperrt, dass man nie mehr von ihm hört. Derweil wird der Friedensnobelpreisträger gefeiert, ob seiner noblen Geste mit diesen "bösen Gefangenen". Merkel lässt grüßen ...
demokroete 17.09.2015
4. Nachdem ihnen die westlichen Werte in 13 Jahren
Folterlager beigebracht wurden, könnte es sein, dass sich die entlassenen Insassen bei der nächsten Gelegenheit an ihren Lehrern revangieren.
egoneiermann 17.09.2015
5.
Das Kapitel wird den USA noch lange anhängen, wie so oft wenn man aus Angst gegen die eigenen Grundsätze verstößt. Dass Obama das aber selbst in zwei Amtszeiten nicht beenden konnte zeigt aber auch, das die restlichen "Inahftierten" eben nicht einfach unschuldige Menschen , sondern wohl eher ideologisch Verblendete sind. Und wenn man als Linker ehrlich ist, dann würde man da mit den hiesigen Faschisten, die ein ähnliche Gedenkengut haben, auch gerne tun.
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