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Guantanamo: Hungern in Einzelhaft

Foto: Suzette Laboy/ AP/dpa

Protest in Guantanamo Hungern in Einzelhaft

Die Lage im US-Gefangenenlager auf Kuba eskaliert: Nach einem Zusammenstoß von Inhaftierten und Wachen sind die meisten Insassen wieder in Einzelzellen. Inzwischen verweigert die Hälfte von ihnen die Nahrungsaufnahme, zwei haben Selbstmordversuche unternommen.

Guantanamo Bay - 77 der 166 Insassen des US-Gefangenenlagers befinden sich im Hungerstreik - das teilte Militärsprecher Samuel House am Samstag mit. Damit haben sich allein seit Mittwoch 25 Inhaftierte der Protestaktion angeschlossen. 17 Häftlinge werden zwangsernährt, fünf von ihnen im Krankenhaus behandelt, teilte House mit. Allerdings sei derzeit keiner von ihnen in Gefahr, betonte House.

Die Situation im umstrittenen Militärgefängnis hatte sich am 6. Februar zugespitzt. Wärter hatten an diesem Tag Zellen durchsucht und zum Teil persönliche Gegenstände der Häftlinge beschlagnahmt. Dabei sollen die Wärter auch unangemessen mit Koran-Ausgaben umgegangen sein - ein Vorwurf, den das Pentagon zurückwies.

Im Kern richte sich der Hungerstreik aber gegen die seit elf Jahren andauernde unbegrenzte Inhaftierung ohne Anklage oder Prozess, erklärten Anwälte der Insassen.

Zusammenstoß am 13. April

Am 13. April hatte es dann einen heftigen Zusammenstoß von Insassen und Wärtern gegeben, als mehrere Gefangene aus einem Gemeinschaftsbereich in Camp 6 in Einzelzellen verlegt werden sollten. Einige Häftlinge hätten mit improvisierten Waffen Widerstand geleistet. Als Reaktion seien vier nicht-tödliche Projektile abgefeuert worden, sagte Navy-Captain Robert Durand. Weder Wärter noch Insassen seien ernsthaft verletzt worden.

Militärangehörige berichten, der Umgang mit den Gefangenen in Camp 6, wo sich 80 Prozent der Insassen innerhalb eines größeren Bereichs frei bewegen konnten, sei zu lax gewesen. Die Gefangenen hätten Vorräte gehortet, improvisierte Waffen gebaut und Wachen mit Urin beschüttet. Außerdem hätten die Häftlinge zahlreiche Sicherheitskameras abgedeckt, so dass das Militär die Situation in dem Camp nicht mehr vollständig überwachen konnte. Deshalb sei die Verlegung zurück in Einzelzellen nötig gewesen.

Fast alle Inhaftierten sitzen seit dem 13. April wieder in Einzelzellen, die sie höchstens für zwei Stunden am Tag verlassen können. Mindestens zwei Inhaftierte haben seitdem versucht, sich umzubringen.

Das Gefangenenlager auf Kuba wurde 2002 von US-Präsident George W. Bush gegründet, um Terrorverdächtige aus Afghanistan und anderen Ländern aufzunehmen. US-Präsident Barack Obama versprach vor seiner Wahl 2008, das international heftig kritisierte Lager zu schließen. Der Kongress verweigerte dafür jedoch die finanziellen Mittel und blockierte die Verlegung von Guantanamo-Häftlingen in Gefängnisse in den USA.

wbr/AFP/AP
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