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01. Dezember 2008, 13:37 Uhr

Guantanamo

Madrid soll von CIA-Gefangenenflügen gewusst haben

Die Flüge waren illegal - und dennoch soll sie der frühere spanische Ministerpräsident Aznar laut einem Zeitungsbericht genehmigt haben: Der US-Geheimdienst CIA hat demnach für seine Gefangenenflüge nach Guantanamo auch Flughäfen in Spanien benutzt.

Madrid - Die USA hätten 2002 die konservative Regierung in Madrid um Erlaubnis gebeten, die CIA-Maschinen den spanischen Luftraum durchfliegen und auf spanischen Flughäfen Zwischenstopps einlegen zu lassen, berichtete die Zeitung "El País".

Die Regierung von José María Aznar habe Washington innerhalb von 24 Stunden ihre Zustimmung gegeben. Sie sei sich aber bewusst gewesen, dass die Gefangenenflüge illegal gewesen seien, schrieb die Zeitung unter Berufung auf bisher geheime Dokumente. Daher habe Madrid versucht, die Flüge vor der Öffentlichkeit geheimzuhalten, und den USA empfohlen, die Militärstützpunkte Morón de la Frontera und Rota in Südspanien zu benutzen.

Bisher hatten die spanischen Regierungen bestritten, von den Gefangenenflügen des CIA etwas gewusst zu haben. Spaniens jetziger Außenminister Miguel Angel Moratinos betonte, er sei von seinen Vorgängern Josep Piqué und Ana Palacio nicht über eine angebliche Zustimmung zu den CIA-Flügen unterrichtet worden. Er ordnete die Einleitung einer Untersuchung an.

Der Nationale Gerichtshof in Madrid ermittelt seit Monaten wegen der Benutzung spanischer Einrichtungen bei den CIA-Gefangenenflügen.

Nach den Unterlagen, die der Justiz vorliegen, legten von 2002 bis 2005 elf US-Maschinen auf dem Weg nach Guantanamo Zwischenstopps in Spanien ein. 13 weitere Flugzeuge durchquerten auf dieser Route den spanischen Luftraum.

asc/dpa

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