Militärgefängnis USA entlassen sechs Guantanamo-Häftlinge nach Uruguay

US-Präsident Barack Obama hatte versprochen, den umstrittenen Militärknast Guantanamo zu schließen - doch das stößt innenpolitisch auf heftigen Widerstand. Immerhin konnte er jetzt sechs Häftlinge entlassen - nach zehn Jahren Haft.

US-Präsident Obama: Will Guantanamo schließen - kann aber nicht
AP/dpa

US-Präsident Obama: Will Guantanamo schließen - kann aber nicht


Washington - Die USA haben sechs Männer aus dem Militärgefängnis Guantanamo auf Kuba freigelassen. Nach mehr als zehn Jahren Haft wurden sie am Sonntag mit einer Militärmaschine nach Uruguay ausgeflogen, teilte das Verteidigungsministerium in Washington mit. Es handele sich um vier Syrer, einen Tunesier und einen Palästinenser.

Die sechs bilden die seit 2008 größte Häftlingsgruppe, die Guantanamo verlässt. Mit ihrer Ausreise nach Südamerika treibt die US-Regierung ihr Vorhaben voran, das international umstrittene Gefängnis dichtzumachen - so wie es Präsident Barack Obama versprochen hatte, als er vor fast sechs Jahren sein Amt antrat.

Doch unter anderem der Widerstand von Abgeordneten im US-Kongress hat das Vorhaben ins Stocken gebracht. Kritiker der Schließungspläne sehen in den Gefangenen eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Ihre Freilassung lehnen sie ebenso ab wie ihre Überstellung in normale Gefängnisse in den USA.

Erst am vergangenen Dienstag hatte Obama in Sachen Guantanamo einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Der Kongress strich einen Passus aus einem Gesetzesvorhaben, der Obama einen Schritt näher an sein Ziel gebracht hätte, Guantanamo zu schließen. Nach der jetzigen Freilassung bleiben noch 136 Häftlinge - 66 von ihnen stellen nach Einschätzung der Behörden keine Gefahr dar, finden aber keine Aufnahmeländer.

Uruguays scheidender Präsident José Mujica hatte am Freitag in einem offenen Brief an Obama angekündigt, dass sein Land als humanitäre Geste die sechs Männer aufnehmen werde. Der linke Staatschef übte zugleich heftige Kritik an dem US-Lager. Die Aufnahme stelle eine Geste für Menschen dar, die Opfer "einer grausamen Entführung" geworden seien. Das Schicksal der Guantanamo-Häftlinge erinnere ihn an seine eigenen 13 Jahre in politischer Gefangenschaft, schrieb der frühere Guerilla-Kämpfer. Nach Mujicas Plan sollen die Männer in Uruguay wie normale Bürger behandelt werden und frei reisen dürfen.

tdo/Reuters/Afp



insgesamt 28 Beiträge
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whiteelephant1 07.12.2014
1.
Die USA werden Guantanamo nie aufgeben. Das gehört zu deren mititärischer Strategie. Man hat schon ca. 900 US-Stützpunkte weltweit. Das Ziel ist, jedes Land unter US Herrschaft zu bringen. Obama hat da überhaupt nichts zu sagen. Der tanzt da nur nach irgendwelchen Pfeifen.
Malshandir 07.12.2014
2. Kein prozess
Man muss es einmal so sehen, die Leute sind 10 Jahre ohne Gerichtsbeschluss ohne Verfahren in Haft. Das ganze System Guantanamo ist in Frage zu stellen. Wer vorher kein terrorist war, wurde dort duch die Misshandlungen zu einem gemacht.
roflem 07.12.2014
3. Krieg gegen nix
Man könnte auch einen "Krieg gegen den Witz" einführen und sämtliche Witzemacher als Kriegsgegner in ein Kriegsgefangenen Lager stecken. An den checkins der Flughäfen steht ja schon "no jokes". Das ganze Konstrukt ist den Ermächtigungsgesetzen von 1933 nicht unähnlich.
Kohle&Reibach 07.12.2014
4. Das System USA macht Angst
Zitat von whiteelephant1Die USA werden Guantanamo nie aufgeben. Das gehört zu deren mititärischer Strategie. Man hat schon ca. 900 US-Stützpunkte weltweit. Das Ziel ist, jedes Land unter US Herrschaft zu bringen. Obama hat da überhaupt nichts zu sagen. Der tanzt da nur nach irgendwelchen Pfeifen.
vorallem wenn sie auch noch willfährige Marionetten in anderen Ländern finden. Zum Schluss hat man eine Weltdiktatur.
elena 07.12.2014
5. Demokratie
Das schlimme daran ist, dass USA anderen Ländern vorschreibt was "westliche Werte" und "Demoktratie" ist. Gleichzeitig aber Guantanamo nicht schließen und die Leute ohne Verfahren in Haft sind. Ich hoffe, dass die Freigelassene nicht zu Terroristen werden, aber bin mir sicher, dass sie die "westliche Werten" anzweifeln werden. Mich wundert es, dass auch hier Europa wegschaut.
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