Gefangenenlager Pentagon veröffentlicht erstmals Namen aller Guantanamo-Häftlinge

Das US-Verteidigungsministerium beugt sich dem öffentlichen Druck. Erstmals hat das Pentagon eine Liste aller Namen der Gefangenen von Guantanamo vorgelegt. Darunter sind auch 46 sogenannte unbefristete Häftlinge. Zwei Zeitungen hatten die Veröffentlichung durchgesetzt.
Häftlinge in Guantanamo (Archivbild): Pentagon veröffentlicht Liste

Häftlinge in Guantanamo (Archivbild): Pentagon veröffentlicht Liste

Foto: STR/ Reuters

Guantanamo Bay/Washington - 166 Insassen werden noch im umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba festgehalten. Das Verteidigungsministerium hat am Montag zum ersten Mal die Namen aller Häftlinge mitgeteilt. Das Pentagon führte auch auf, welche Gefangenen ohne einen Prozess auf unbestimmte Zeit festgehalten werden sollen.

Die Veröffentlichung geschah auf Druck der Zeitungen "New York Times" und "Miami Herald" . Die Blätter hatten beantragt, die Namen der Insassen offenzulegen. Sie beriefen sich in ihrer Begründung auf die Informationsfreiheit. Hier finden Sie die vollständige Liste mit den Angaben.  Die Menschenrechtsgruppe Human Rights First erklärte, die Enthüllungen seien "begrüßenswert, wenn auch längst überfällig".

Brutale Verhörmethoden

Wie die US-Regierung mitteilte, werden 46 Guantanamo-Gefangene als "unbefristete Häftlinge" eingestuft. Es handele sich dabei um Terrorverdächtige. Diese seien zu gefährlich, um sie freilassen zu können.

Nach Einschätzung von US-Behördenvertretern können sie aber auch nicht vor Gericht gestellt werden, weil sie mit brutalen Verhörmethoden befragt worden waren. Dazu zählt auch das als Folter angesehene sogenannte Waterboarding, bei dem der Betroffene das Gefühl hat zu ertrinken. Die mit dieser brutalen Methode gewonnenen Erkenntnisse dürfen nicht vor Gericht verwendet werden.

Bei den unbefristeten Häftlingen handelt es sich um 26 Jemeniten, zehn Afghanen, drei Saudi-Araber, zwei Kuwaiter, zwei Libyer, einen Kenianer, einen Marokkaner und einen Somalier. Zwei weitere Afghanen mit diesem Status starben - einer durch Selbstmord, der andere an einem Herzanfall.

Prozess gegen Chefplaner Chalid Scheich Mohammed?

Die Einstufung der "unbefristeten Häftlinge" hatte Anfang 2010 eine Arbeitsgruppe vorgenommen. Diese war eingesetzt worden, nachdem Barack Obama versprochen hatte, Guantanamo schnell zu schließen. Der US-Präsident erneuerte vor wenigen Wochen sein Versprechen, einen neuen Anlauf für eine Auflösung des Lagers zu unternehmen.

Gegen 34 Häftlinge könnte den Angaben des Pentagons zufolge ein Gerichtsverfahren angestrengt werden. Zu ihnen zählt der mutmaßliche Chefplaner der Terroranschläge vom 11. September 2001, Chalid Scheich Mohammed. Er erschien am Montag mit vier weiteren mutmaßlichen Drahtziehern zu einer Anhörung vor einem Sondergericht des US-Militärs auf Guantanamo.

Neuer Beauftragter für die Schließung des Lagers

Die US-Regierung ernannte am Montag zudem einen Beauftragten für die Schließung von Guantanamo. Der Jurist Cliff Sloan übernimmt den Posten, der mehrere Monate unbesetzt gewesen war. Die Neubesetzung zeige das Engagement der Regierung für die Schließung von Guantanamo, sagte Ministeriumssprecherin Jennifer Psaki.

Obamas Vorgänger Georg W. Bush hatte das Gefängnis für Terrorverdächtige nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf einer US-Militärbasis auf Kuba eingerichtet. Menschenrechtsgruppen prangern an, dass die Insassen in Guantanamo ohne rechtsstaatlichen Schutz festgehalten werden.

Hungerstreik der Gefangenen

Bisher scheiterten Obamas Versuche, das Lager zu schließen, am Widerstand aus dem Kongress. Vor vier Monaten begann in dem Gefangenenlager ein Hungerstreik, an dem sich mittlerweile 104 Häftlinge beteiligen. Mitte April hatte es zudem einen heftigen Zusammenstoß von Insassen und Wärtern gegeben, als mehrere Gefangene aus einem Gemeinschaftsbereich in Camp 6 in Einzelzellen verlegt werden sollten.

Obama will unter anderem die Überstellung von jemenitischen Häftlingen in ihr Heimatland, die vor mehreren Jahren aus Sicherheitsgründen gestoppt worden war, wieder erlauben. Außerdem beauftragte der Präsident das Pentagon mit der Suche nach einem Standort in den USA, an den die Militärprozesse gegen mutmaßliche Terroristen verlegt werden könnten.

heb/AFP/AP/Reuters
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