Guantanamo Selbstmörder sollte bald freigelassen werden

Bei einem der im US-Lager Guantanamo erhängt aufgefundenen Häftlinge stand nach Angaben seines Anwalts die Freilassung unmittelbar bevor. Doch dem Gefangenen sei davon noch nichts gesagt worden.

Washington/London - Sein Mandant Mani Schaman Turki al-Habardi Al-Utaybi sollte demnächst aus Guantanamo entlassen werden, berichtete der Anwalt Mark Denbeaux der BBC. Dem Gefangenen sei aber noch nichts davon gesagt worden, weil noch unklar gewesen sei, an welches Land er überstellt werden sollte. Insgesamt sei geplant gewesen, 141 der mehr als 600 Häftlinge aus Guantanamo in Kuba zu entlassen, berichtete der britische Sender.

Utaybi soll laut BBC zu jenen 20 Guantanamo-Insassen gehören, die nach Saudi-Arabien zurückkehren sollten. In dem umstrittenen US-Gefangenlager auf Kuba waren am Samstag zwei Saudi-Araber und ein Jemenit erhängt in ihren Zellen gefunden worden.

Die Selbstmorde sind nach Auffassung von Menschenrechtlern Ausdruck der schlechten Bedingungen in Guantanamo. Es waren die ersten bekannt gewordenen Suizide seit der Nutzung des US-Stützpunktes als Gefängnis im Januar 2002.

Das US-Verteidigungsministerium hat inzwischen die Identität von zwei der Männer bestätigt, die sich selbst töteten. Bei den Saudi-Arabern handelt es sich neben Utaybi um Jasser al-Sahrani. Das saudiarabische Innenministerium hatte zuvor die Namen der Gefangenen veröffentlicht. Dokumente des Pentagon belegen, dass Sahrani 21 Jahre alt war - was bedeutet, dass er als Jugendlicher in dem Lager auf Kuba eingesperrt wurde. Den dritten Toten, einen Jemeniten, identifizierte ein Kommandant als Ali Abdullah Ahmed.

Aufsehen erregten international auch die Äußerungen des Kommandeur des Gefangenenlagers, Konteradmiral Harry Harris. "Sie sind gerissen. Sie sind erfinderisch. Sie sind von ihrer Sache überzeugt", sagte er mit Blick auf die Toten. "Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem eigenen. Ich glaube, das war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt (...) der Kriegsführung gegen uns."

Eine Mitarbeiterin der US-Regierung legte gestern nach. Die Selbstmorde seien "ein guter PR-Gag, um Aufmerksamkeit zu erregen", sagte Colleen Graffy der BBC.

Die Selbstmorde sind nach Auffassung eines australischen Anwalts Ergebnis der dortigen Haftbedingungen. Sie zeigten, "in welche tiefe Verzweiflung Menschen fallen können, wenn sie über lange Zeit keine Verbindung zur Außenwelt haben", sagte Major Michael Mori, der Rechtsbeistand des "australischen Taliban" David Hicks, am Montag dem australischen Rundfunksender ABC.

Auch sein Mandant sei bei seinem jüngsten Besuch vor einer Woche in schlechter körperlicher und seelischer Verfassung gewesen: Er habe Gewicht verloren, deutliche Zeichen einer Depression gezeigt und sei wie ausgehungert nach menschlichem Kontakt gewesen, berichtete Mori weiter.

Hicks, der der Mitgliedschaft in der afghanischen Taliban-Miliz beschuldigt wird, ist nun schon seit mehr als vier Jahren in dem US-Lager auf Kuba inhaftiert.

Der 31-jährige frühere Landarbeiter zählt zu den zehn Häftlingen, gegen die bislang Anklage vor den umstrittenen Militärkommissionen erhoben wurde. Die anderen mehr als 400 Insassen wissen teilweise nicht einmal, was ihnen zur Last gelegt wird. Laut seinem Anwalt wurde Hicks vor drei Monaten ohne Begründung wieder in Isolationshaft genommen. Davor hatte er schon einmal 16 Monate in Isolationshaft verbracht, davon rund acht Monate in einer Zelle ohne Tageslicht. Dagegen berichtete der australische Premierminister John Howard, australische Konsularvertreter hätten bei ihrem jüngsten Guantanamo-Besuch bei Hicks vor zwei Wochen nichts zu beanstanden gefunden.

als/Reuters/AFP/AP

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