Guantanamo US-Justizminister weist Kritik zurück

US-Justizminister Alberto Gonzales hat die europäischen Verbündeten aufgefordert, mehr ehemalige Guantanamo-Gefangene aufzunehmen und so die USA zu entlasten. Sein Land wolle nicht der Gefängniswärter der ganzen Welt sein.


Berlin - Gonzales hat Kritik aus europäischen Ländern am US-Gefangenenlager Guantanamo zurückgewiesen. Stattdessen sollen sich die Europäer stärker darum bemühen, entlassene Guantanamo-Gefangene in den eigenen Ländern aufzunehmen. Die USA seien nicht daran interessiert, "der ganzen Welt als Gefängniswärter zu dienen".

Gonzales sprach auf einer Veranstaltung des German Marshall Fund in Berlin. Trotz zahlreicher Kritik an Guantanamo hätten die USA wenig Unterstützung beim Umgang mit ehemaligen Guantanamo-Häftlingen erhalten, bemängelte der US-Justizminister.

Gonzales schlug gegenüber den europäischen Verbündeten aber auch versöhnliche Töne an: Der US-Regierung habe nicht gut genug erklärt, auf welchen Rechtsprinzipien ihr Kampf gegen den Terror beruhe. Auf Einwände von Zuhörern der Rede, die USA achteten nicht genügend auf internationales Recht, antwortete Gonzales: "Wir verstehen, dass dies Ängste und Spannungen ausgelöst hat."

Gonzales forderte, die Fälle der mutmaßlichen Totenschändung durch deutsche Soldaten in Afghanistan müssten rasch geklärt werden: "Diese Vorgänge müssen lückenlos untersucht werden", sagte er dem "Handelsblatt". Er zeigte sich jedoch überzeugt, dass es sich bei den Vorgängen um Einzelfälle handele.

Er könne sagen, dass 99 Prozent der Soldaten Profis seien: "Sie bewegen sich im Rahmen der Gesetze." Gelegentlich passierten allerdings Dinge, die nicht vorkommen dürften: "Das verurteilen wir."

jaf



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