Guantanamo USA hielten Afghanen aufgrund von Hörensagen gefangen

Mangelhafte Indizien, grobe Fehler und wunderliche Beschuldigungen: Laut einer neuen Untersuchung soll das US-Militär afghanische Terrorverdächtige ohne richtigen Beweis nach Guantanamo gebracht haben.

Guantanamo-Häftlinge Haji Wali Mohammed, Kafka Abduk Zahir, Obaidullah, Kafka-Hamidullah
[M] Afghanistan Analysts Network

Guantanamo-Häftlinge Haji Wali Mohammed, Kafka Abduk Zahir, Obaidullah, Kafka-Hamidullah


Da ist zum Beispiel Bostan Karim: Bis August 2002 verkaufte er Plastikblumen in der Stadt Khost, im Osten Afghanistans. Dann kamen pakistanische Sicherheitskräfte. Sie nahmen ihn fest, weil er Mitglied des Terrornetzwerks al-Qaida gewesen sein soll. Karim wurde an das US-Militär ausgeliefert und nach Guantanamo gebracht. Seit 13 Jahren ist der heute 46-Jährige in dem Gefangenenlager auf Kuba eingesperrt - obwohl er nie rechtskräftig verurteilt wurde.

Das Rechercheinstitut Afghanistan Analysts Network (AAN), ein Zusammenschluss unabhängiger Experten, hat den Fall von Karim und sieben weiteren Guantanamo-Häftlingen geprüft. Das Ergebnis: Die US-Militärbehörden haben fatale Fehler gemacht. Die Inhaftierungen von Karim und den anderen Afghanen basierten demnach auf Hörensagen, mangelhaften Indizien, schlechten Übersetzungen und "wunderlichen Beschuldigungen".

Dem US-Militär seien zum Beispiel zahlreiche, grundlegende Fehler bei der geographischen Lage in Afghanistan unterlaufen, kritisieren die AAN-Experten. Außerdem hätten die Ankläger Gruppen beschuldigt, die bereits lange zuvor ihre Waffen niedergelegt hatten oder niemals an der Seite der Islamisten gekämpft hätten.

Keiner der Männer wurde auf dem Schlachtfeld gefangen genommen

Derzeit befinden sich noch 60 Häftlinge in dem Gefangenenlager auf Kuba. US-Präsident Barack Obama bemüht sich seit Langem, Guantanamo zu schließen, scheiterte aber am Widerstand der Republikaner im Kongress.

Die Vorwürfe gegen die acht afghanischen Häftlinge reichen laut AAN von Terrorfinanzierung bis zur Mitgliedschaft in einer Qaida-Zelle. Keiner der Männer wurde während eines Kampfes gefangen genommen. Sechs von ihnen wurden den USA von afghanischen oder pakistanischen Kräften übergeben, zwei weitere wurden nach Tipps von unbekannten Quellen festgenommen.

Bis heute sei das US-Militär nicht in der Lage, die Anschuldigungen gegen die acht Männer zu konkretisieren. Die Fälle würden zeigen, dass willkürliche Inhaftierungen zu "fatalen Justizirrtümern" führen können, heißt es in dem Bericht. Das Unrecht von Guantanamo sei zudem auch ein wesentlicher Grund für neue Radikalisierungen in Afghanistan.

cte/Reuters



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