Umstrittenes Gefangenenlager USA lassen fünf Guantanamo-Häftlinge frei

Die Anzahl der Häftlinge in Guantanamo wird kleiner: Die USA haben fünf Männer aus dem Jemen aus dem Militärgefängnis auf Kuba entlassen. Vier seien in den Oman ausgeflogen worden, einer nach Estland.

Gefangene in Guantanamo (Archivbild): 122 Häftlinge sitzen noch ein
REUTERS

Gefangene in Guantanamo (Archivbild): 122 Häftlinge sitzen noch ein


Washington - Nun sitzen noch 122 Gefangene in Guantanamo: Die USA haben fünf jemenitische Häftlinge aus dem umstrittenen Lager entlassen. Vier Männer seien in den Oman gebracht worden und einer nach Estland. Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, sie seien nach einer "umfassenden Überprüfung" durch mehrere US-Behörden "einstimmig" zur Freilassung freigegeben worden.

Bereits zum Jahreswechsel waren zehn Männer aus Tunesien und dem Jemen freigelassen worden. Sie waren mehr als zehn Jahre inhaftiert und wurden nach Kasachstan ausgeflogen.

US-Präsident Barack Obama hatte zu seinem Amtsantritt im Januar 2009 versprochen, das Gefangenenlager auf Kuba binnen eines Jahres zu schließen. Rechtliche Probleme und heftiger Widerstand im Kongress und in der Öffentlichkeit verhinderten jedoch die Pläne des Präsidenten. Guantanamo Bay war nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf dem gleichnamigen US-Militärstützpunkt eröffnet worden.

28 Häftlinge im Jahr 2014 entlassen

Im Haushaltsgesetz, das Mitte Dezember unterzeichnet worden war, wird die von Obama angestrebte Schließung ausdrücklich ausgeschlossen. Vor allem die republikanischen Abgeordneten und Senatoren wollen verhindern, dass die Häftlinge auf den Kontinent gelangen könnten. Die meisten Gefangenen wurden seit ihrer Festnahme in den Jahren 2001 und 2002 weder angeklagt noch verurteilt.

Die Regierung beschleunigte zuletzt die Freilassung von Insassen. 2014 wurden insgesamt 28 Häftlinge freigelassen.

vek/AFP/Reuters

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Smarty- 15.01.2015
1. Ach ja.
Das sind unsere westlichen "Werte", die wir alle so hochhalten. Dieses Lager straft alle solchen Bekenntnisse Lügen.
docker 15.01.2015
2. Wertvolle Zeichen
Auch Obama macht endlich vieles richtig. Die unterstützenden Luftschläge in Syrien und dem Iraq werden begleitet von Entlassungen der Guantanamo -Häftlinge. Das scheint mir strategisch und politisch gut geplant und wird seine positive Wirkung nicht verfehlen. Wen die Welt Glück hat, sind die USA gerade dabei, ihre moralische Integrität wiederherzustellen.
wgundlach 15.01.2015
3. ..strategisch gut geplant,
so wird es wohl sein. Und was ist mit den restlichen Menschen im Gefängnis von Guantanamo? Und: Soll ich jetzt glauben, die CIA würde genau heute keine geheimen Aktionen durchführen, die ebenso verwerflich sind? Nein, mein Glaube an das Gute eines Geheimdienstes mit hat sich endglültig aufgelöst.
doktor-nötigenfalls 15.01.2015
4. *
Zitat von dockerAuch Obama macht endlich vieles richtig. Die unterstützenden Luftschläge in Syrien und dem Iraq werden begleitet von Entlassungen der Guantanamo -Häftlinge. Das scheint mir strategisch und politisch gut geplant und wird seine positive Wirkung nicht verfehlen. Wen die Welt Glück hat, sind die USA gerade dabei, ihre moralische Integrität wiederherzustellen.
Diese Menschen wurden über 10 Jahre lang ohne Anklage oder Verhandlung in einem völker- und menschenrechtswidrigen Lager festgehalten. Da man ihnen offenbar keine Straftaten nachweisen konnte, haben sie nach westlichem Recht als unschuldig zu gelten. Moralische Integrität wäre es, diese Menschen umfassend zu rehabilitieren und ihnen eine angemessene Haftentschädigung zu zahlen.
redwed11 15.01.2015
5.
Dieser Makel, Menschen ohne jedes rechtsstaatliche Verfahren über 10 Jahre in einem Konzentrationslager festgehalten zu haben, wird den USA immer anhaften. Auch in diesem Land wurden auch schon mal sämtliche rechtsstaatlichen Regeln missachtet und die USA haben diesem Land wieder rechtsstaatliches Handeln beigebracht. Welch eine Ironie der Geschichte. Tiefer kann ein Staat, gemessen an seinen eigenen Maßstäben, nicht sinken.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.