Guantanamo USA prüft Entlassung von 400 Häftlingen

Die US-Regierung verhandelt über eine Rückführung von Guantanamo-Häftlingen in deren Heimatländer. Washington führe Gespräche mit wenigstens zehn Staaten, berichtet der Fernsehsender CNN. Erste Entlassungen seien in den kommenden Monaten zu erwarten.


Zelle im Guantanamo-Lager auf Kuba
AP

Zelle im Guantanamo-Lager auf Kuba

Hamburg – Washington führe unter anderem mit Saudi Arabien und Jemen Gespräche über eine Rückführung ihrer Bürger in den nächsten beiden Monaten, sagten zwei US-Vertreter zu CNN. Häftlinge, die die USA als besonders gefährlich einstuften, sollten in Guantanamo bleiben. Es werde über die Rückführung von insgesamt 410 Häftlingen verhandelt - rund 80 Prozent der Gefängnis-Insassen. Deren Zahl könnte sich schrittweise auf etwa 100 reduzieren.

Im Lager Guantanamo auf Kuba halten die USA 510 Terrorverdächtige aus 34 Staaten gefangen. Die meisten kommen aus Saudi-Arabien, Afghanistan und Jemen. In der vergangenen Woche hatte die US-Regierung bereits ein Abkommen über die Rückführung von 110 Häftlingen mit Afghanistan geschlossen. Verhandelt werde nach einem Bericht der Zeitung "Washington Post" auch mit Ägypten, Kuweit, Bahrein und Marokko. Außerdem versuche die US-Regierung ein europäisches Land zu überzeugen, mindestens 15 chinesische Häftlinge und zwei usbekische Häftlinge in Gewahrsam zu nehmen, weil ihnen in ihrer Heimat Folter drohe.

Nach Recherchen von CNN verlangt die US-Regierung von den Staaten die Unterschrift einer Erklärung, in der sie sich unter anderem zu einem humanen Umgang mit den Häftlingen verpflichten. Sie sollten Folter unterlassen sowie den USA oder einer dritten Partei weiterhin Zugang zu den Gefangenen gewähren, um deren Behandlung zu überprüfen. Die Terrorverdächtigen sollten weiter inhaftiert bleiben. Die USA wollen zudem im Voraus informiert werden, wenn ein ehemaliger Guantanamo-Häftling wieder auf freiem Fuß kommt.



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