Guantanamo Verwirrung um mögliche Freilassung des Bremer Talibans

Um das Schicksal des seit mehr als drei Jahren auf dem US-Stützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba inhaftierten Bremer Türken Murat Kurnaz herrscht Verwirrung. Sein Anwalt ist derzeit in der Türkei, um Berichte über seine Freilassung zu prüfen.


Guantanamo-Häftling Kurnaz: In der Türkei freigekommen?
AP

Guantanamo-Häftling Kurnaz: In der Türkei freigekommen?

Hamburg - "Wir sind gerade dabei Fakten und Fiktion zu trennen", hatte Anwalt Bernhard Docke am Morgen zu SPIEGEL ONLINE gesagt. Er sei gestern zusammen mit Murats Mutter Rabiye Kurnaz und dem US-Anwalt Baher Azmy in die Türkei gereist, um in Adana "konkrete Hinweise des türkischen Außenministeriums" zu prüfen. "Bislang haben wir von türkischen und amerikanischen Offiziellen keine Bestätigung", schrieb Docke jedoch heute Mittag in einer Mail an seine Kanzlei. "Soweit die türkischen Medien melden, dass Murat Kurnaz bereits in der Türkei sei oder er bei seinen Großeltern weile, kann ich dies leider nicht bestätigen", teilte der Anwalt mit. "Nach meinem Eindruck geht hier eine ungeheure Mediengerüchteküche ab", fügte er hinzu.

Türkischen Zeitungsberichten zufolge soll Kurnaz am Wochenende freigelassen und in den südtürkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Nähe des Ortes Adana ausgeflogen worden sein. Dort sei er den Behörden übergeben worden. Das türkische Außenministerium hat die Berichte bisher nicht bestätigt. Ein Vertreter der US-Botschaft in Ankara bestritt die Freilassung sogar.

Der 22-jährige Kurnaz ist gebürtiger Bremer mit türkischem Pass. Er war im Herbst 2001 nach Pakistan gereist und dort wegen angeblicher terroristischer Kontakte verhaftet worden. Seit Januar 2002 saß er in Haft in Guantanamo Bay.

Bremens Innensenator Thomas Röwekamp (CDU) bekräftigte heute, dass die Aufenthaltserlaubnis von Kurnaz wegen seiner sechsmonatigen Abwesenheit automatisch erloschen sei. Er könne sich aber in einer Botschaft um ein Visum bemühen, damit wieder nach Deutschland einreisen und dann eine neue Aufenthaltserlaubnis beantragen. Dabei werde auch der Verdacht der terroristischen Aktivitäten überprüft, sagte Röwekamp.



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