NSA-Affäre "Guardian"-Chef Rusbridger muss vor Parlament aussagen

Alan Rusbridger wird vorgeworfen, mit der Veröffentlichung des Snowden-Materials die nationale Sicherheit gefährdet zu haben. Jetzt soll der "Guardian"-Chefredakteur vom Parlament befragt werden - dort hatten die Geheimdienstchefs ihn erst vor wenigen Tagen beschuldigt.
Chefredakteur Rusbridger: Cameron drohte mit "härteren Maßnahmen"

Chefredakteur Rusbridger: Cameron drohte mit "härteren Maßnahmen"

Foto: Kerim Okten/ dpa

London - Gerade erst setzte sich Alan Rusbridger in einem SPIEGEL-Interview gegen die Einschüchterungsversuche der britischen Regierung zur Wehr - nun wird der Chefredakteur des "Guardian" vor das Parlament zitiert. Dort soll der 59-Jährige zur Veröffentlichung der Dokumente des Ex-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden aussagen. Rusbridger werde im kommenden Monat vor dem Innenausschuss im britischen Unterhaus aussagen, teilte der "Guardian" mit.

Das linksliberale Blatt hatte unter anderem über die Aktivitäten des britischen Geheimdienstes GCHQ und dessen enge Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst NSA berichtet. Nach Einschätzung konservativer Abgeordneter gefährdet das die nationale Sicherheit. Besonders die Chefs der Geheimdienste sind verärgert. "Sie bringen unsere Operationen in Gefahr", sagte John Sawers, Chef des Auslands-Geheimdienstes MI6, bei einer Anhörung. "Unsere Feinde reiben sich die Hände."

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Großbritannien: Geheimdienstchefs im Kreuzverhör

Foto: AP/ Parliamentary Recording Unit

Rusbridger dagegen hat stets die Rolle der Tageszeitung verteidigt, die seiner Ansicht nach eine Debatte über das Ausmaß der Aktivitäten der Geheimdienste angestoßen habe, was Parlamentarier nicht getan hätten. Im Interview sagte er, die Behörden sollten dankbar sein, dass der "Guardian" mit dem Material von Snowden in den vergangenen viereinhalb Monaten "äußerst verantwortungsvoll" umgegangen sei.

Damit konterte er eine Aussage des britischen Premier David Cameron, der zuvor an die "soziale Verantwortung" der Journalisten appelliert hatte. Zudem kündigte er "härtere Maßnahmen" an, sollten die Enthüllungen kein Ende nehmen.

vks/Reuters/AP
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