"Guardian"-Bericht USA investieren Millionen in britischen Geheimdienst

Die Zusammenarbeit zwischen den Geheimdiensten NSA und GCHQ ist enger als bisher bekannt. Wie der "Guardian" berichtet, zahlten die US-Amerikaner den Briten allein in den vergangenen drei Jahren 115 Millionen Euro für ihre Dienste - und sicherten sich damit ihren Einfluss.
GCHQ-Zentrale in Cheltenham: Zugang und Einfluss gesichert

GCHQ-Zentrale in Cheltenham: Zugang und Einfluss gesichert

Foto: HANDOUT/ Reuters

Washington/London - Die US-Regierung hat in den vergangenen drei Jahren mindestens 100 Millionen Pfund, rund 115 Millionen Euro, in den britischen Geheimdienst GCHQ investiert. Das berichtet der britische "Guardian".  Die Zeitung beruft sich auf Dokumente des NSA-Enthüllers Edward Snowden, der am Donnerstag vorübergehendes Asyl in Russland erhielt.

Laut "Guardian" flossen folgende Summen an den GCHQ:

  • 2009 waren es demnach 22,9 Millionen Pfund (rund 26 Millionen Euro).

  • 2010 sollen es dann 39,9 Millionen Pfund (rund 46 Millionen Euro) gewesen sein.

  • 2011/2012 habe der amerikanische Geheimdienst 34,7 Millionen Pfund (rund 40 Millionen Euro) überwiesen.

  • Zusätzlich bekam der GCHQ weitere 15,5 Millionen Pfund (rund 18 Millionen Euro) für die Sanierung eines Gebäudekomplexes des Geheimdienstes in Bude, im Norden Cornwalls.

Mit dem Geld habe sich Washington Zugang zu und Einfluss auf britische Geheimdienstprogramme gesichert, berichtet die Zeitung weiter. Die USA hätten im Zusammenhang mit den Zahlungen auch konkrete Forderungen an die Briten gestellt. In einem NSA-Schreiben von 2010 heißt es dem "Guardian" zufolge, die Leistung der Briten treffe noch nicht ganz die Erwartungen des US-Geheimdiensts.

Die Dokumente erhalten der Zeitung zufolge weitere interessante Einzelheiten:

  • Darin heißt es, der GCHQ werde Gelder investieren, um persönliche Daten von Handys und Apps sammeln zu können - und weiter: Dder britische Geheimdienst sei in der Lage, "jedes Telefon auszuwerten, überall und zu jeder Zeit".

  • GCHQ-Mitarbeiter, die mit den Überwachungsprogrammen arbeiten, äußerten demnach Bedenken über "die Moral und Ethik ihrer operativen Arbeit" - "vor allem angesichts der damit verbundenen Täuschung".

  • Der britische Geheimdienst fürchtete demnach bei einem Projekt, falls er der NSA nicht die gewünschten Informationen liefern könne, dass dann das Vertrauen des US-Geheimdienstes in die Fähigkeiten des GCHQ abnehmen werde. In einem anderen Dokument ist von einer Herausforderung die Rede, was die Zusammenarbeit in den kommenden Jahren angehe, die Forderung der NSA sei "nicht statisch", heiß es dort.

Bisher hatte die britische Regierung Vorwürfe zurückgewiesen, dass der GCHQ Handlangerdienste für den US-Geheimdienst NSA leiste. Snowden hatte vor der Zusammenarbeit zwischen NSA und GCHQ bereits gewarnt - beide Dienste seien dafür verantwortlich, dass Techniken entwickelt würden, die die Internetkommunikation massiv überwachen würden. "Es ist nicht nur ein US-Problem", sagte Snowden. Es sei schlimmer.

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NSA-Enthüllungen: Chronologie der Snowden-Affäre

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Am Mittwoch hatte der "Guardian" eine Präsentation aus dem Jahr 2008 zum XKeyscore-Programm veröffentlicht. Geheimdienstmitarbeiter können danach in "enormen Datenbanken" der NSA nach Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Schlagworten suchen. Für die einzelnen Anfragen bräuchten sie keine gesonderte Zustimmung eines Richters oder eines anderen NSA-Mitarbeiters. Auch die Beobachtung der Internetaktivität einzelner Internet-Nutzer sei mit XKeyscore in Echtzeit möglich. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen über XKeyscore.

Informationen des SPIEGEL zufolge nutzen auch der deutsche Auslandsgeheimdienst BND und das im Inland operierende Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) die Spähsoftware der amerikanischen NSA . Die deutschen Geheimdienste erklärten, sie testeten die Software lediglich.

Lesen Sie hier die Chronologie der gesamten NSA-Affäre.

heb/dpa
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