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03. November 2016, 11:10 Uhr

Nach Kritik aus China

Oettinger entschuldigt sich für "Schlitzaugen"-Satz

Die Kritik aus China hat Günther Oettinger dazu bewogen, noch einmal über seine rassistische "Schlitzaugen"-Äußerung nachzudenken. Nun hat sich der EU-Kommissar schriftlich entschuldigt.

EU-Kommissar Günther Oettinger hat sich für seine rassistische Äußerung über Chinesen entschuldigt. Das geht aus einer in Brüssel veröffentlichten Erklärung hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Oettinger, derzeit EU-Kommissar für digitale Wirtschaft, hatte in einem Vortrag vor Unternehmern in Hamburg angesichts der wirtschaftlichen Konkurrenz aus Fernost Chinesen als "Schlitzohren und Schlitzaugen" bezeichnet und dafür den Vorwurf des Rassismus auf sich gezogen.

Das chinesische Außenministerium hatte verärgert auf die Rede Oettingers reagiert. Die Bemerkungen offenbarten ein "verblüffendes Überlegenheitsgefühl" bei so manchen westlichen Politikern, kritisierte eine Sprecherin. "Wir hoffen, dass sie lernen, sich selbst und andere objektiv zu betrachten und andere zu respektieren und als Gleichberechtigte zu behandeln."

Noch am Wochenende hatte Oettinger seine Rede verteidigt. In der Erklärung schreibt der Energiekommissar nun, er habe "Zeit gehabt, über seine Rede nachzudenken". Weiter schrieb Oettinger: "Ich erkenne jetzt, das meine Worte Menschen verletzt haben könnten." In der in englischer Sprache abgefassten Erklärung schrieb Oettinger, er habe "frei von der Leber, as we say in Germany", gesprochen. Er habe die deutsche Zuhörerschaft aufrütteln wollen.

Oettinger hatte in der Rede gewarnt, Deutschland und Europa drohten hinter den Wettbewerbern aus China zurückzufallen. Die Schuld sieht Oettinger in einer aus seiner Sicht verfehlten Sozialpolitik. Wenn das Rentenalter sinke und die Renten stiegen, müsse sich Deutschland nicht wundern, wenn es "den globalen Kampf um Wettbewerbsfähigkeit verliert."

cht/AFP/Reuters

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