Guilianis Geheimpapier-Panne Ein Schlachtplan, den schon jeder kennt

New Yorks Ex-Bürgermeister Giuliani hat ein geheimes 140-Seiten-Strategiepapier für die Präsidentschaftskandidatur verloren - keine Sensation, sagt die "New York Times". Giulianis Absichten seien doch längst auf seiner Internet-Seite herauszulesen.


New York - "Jeder, der einen Computer hat", könne sehen, worum es Giuliani gehe, schreibt "New York Times"-Autorin Joyce Purnick. Auf seiner Seite www.JoinRudy2008.com, komplett in den Nationalfarben gehalten, zeige sich der Ex-Bürgermeister von New York ganz so, "wie die Öffentlichkeit ihn sehen soll - wie er als Präsidentschaftsanwärter dargestellt werden möchte".

Der wichtigste Unterschied zu dem im Hotel aufgetauchten 140-Seiten-Dokument sei, dass die Internet-Seite "glänzend und perfekt gedrechselt" sei - während es in dem Präsidentschaftspapier eher "düster und unverblümt" zugehe. Es sei das genaue Gegenteil von gedrechselt.

Die ganze Aufregung über die Details sei das aber nicht wert, schreibt Purnick. Was sollten Giulianis Berater als Vorbereitung auf den Wahlkampf schon groß anderes machen, als Geldsammel-Aktionen bei Superreichen zu planen und sich um die politischen Schwachstellen des New Yorker Ex-Bürgermeisters zu kümmern?

Giuliani: Brisante Informationen für den politischen Gegner
Getty Images

Giuliani: Brisante Informationen für den politischen Gegner

Eben damit beschäftigt sich das 140-Seiten-Papier nach Berichten von US-Medien. Die New Yorker Boulevardzeitung "Daily News" hatte am Dienstag berichtet, Giuliani habe das Dokument für seine eventuelle Präsidentschaftskandidatur im kommenden Jahr in einem Hotel liegen lassen. Es beschreibt bis ins Detail, wie der republikanische Politiker seine Wahlkampfkasse mit etwa 100 Millionen Dollar füllen will. Auf einer Seite des Strategiedokuments listen Wahlhelfer Faktoren auf, die eine mögliche Kandidatur Giulianis ruinieren könnten: seine privaten Geschäftsinteressen, eine seiner Ex-Frauen.

Ein Mitarbeiter eines Rivalen Giulianis habe dem Blatt eigenen Angaben zufolge die Dokumente zukommen lassen, die im Vorfeld der Kongresswahlen im November in einem Hotelzimmer an einem nicht näher bezeichneten Ort liegengeblieben seien.

Der Darstellung der "Daily News" hatte eine Sprecherin Giulianis umgehen widersprochen. Sunny Mindel sagte, die Papiere seien aus dem Reisegepäck Giulianis genommen worden. "Sie wurden nicht im Hotel vergessen", diese Behauptung sei ein "schmutziger Trick". Ein Mitarbeiter Giulianis habe ein Gepäckstück verloren, in dem das Dokument gewesen sei. Nach Tagen intensiver Suche habe man die Tasche mit dem Schreiben wiedergefunden. Da das Gepäckstück sonst ständig in der Obhut des Mitarbeiters gewesen sei, müsse der Strategieplan für die Kandidatur vorübergehend entwendet und kopiert worden sein, so Mindel.

Giuliani hat seine Kandidatur noch nicht öffentlich erklärt. Im November beantragte der Ex-Bürgermeister die Einrichtung eines gemeinnützigen Sondierungsausschusses, der Spenden sammeln und seine Chancen bei der nächsten Präsidentenwahl ausloten soll. Als sein möglicher schärfster Rivale gilt US-Senator John McCain.

asc/AFP/AP

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung dieses Textes hieß es wegen eines Übersetzungsfehlers, dass Giuliani das 140-Seiten-Strategiepapier auf seine Internet-Seite gestellt habe. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.