Uno-Bericht zu familiärer Gewalt 137 getötete Frauen, jeden Tag

Umgebracht vom Partner oder der eigenen Familie: Weltweit sterben rund 50.000 Frauen und Mädchen im Jahr durch solche Taten. Ein Uno-Bericht nennt Zahlen - und auch, welcher Kontinent am gefährlichsten ist.

Durchschnittlich 137 Frauen werden weltweit pro Tag von ihrem Partner oder einem anderen Mitglied ihrer Familie getötet. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht  des Uno-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hervor.

Demnach starben 2017 weltweit insgesamt 87.000 Frauen durch ein Tötungsdelikt. Mehr als jede zweite von ihnen - 50.000 Frauen - wurde vom aktuellen oder ehemaligen Partner oder anderen Familienangehörigen umgebracht. Dabei war in 30.000 Fällen der (Ex)-Partner der Täter.

In den vergangenen Jahren sei kein greifbarer Fortschritt beim Schutz von Frauen erzielt worden, stellt der Bericht fest. Die absolute Zahl der Frauen, die von einem Partner oder Familienmitglied umgebracht worden seien, sei sogar leicht gestiegen - von rund 48.000 im Jahr 2012 auf rund 50.000 im Jahr 2017.

Wo am häufigsten Frauen Opfer häuslicher Gewalt werden

  • In Asien ist die Zahl der zu Hause getöteten Frauen laut Bericht am höchsten. Dort verzeichnete die Uno-Behörde im Jahr 2017 rund 20.000 von Partnern oder Familienangehörigen getötete Frauen.

  • In Afrika wurden 19.000 Fälle gezählt, auf dem amerikanischen Kontinent 8000, in Europa 3000 und in Ozeanien 300.

  • Werden die jeweiligen Einwohnerzahlen der Regionen berücksichtigt, ist die Situation für die Frauen in Afrika am gefährlichsten, in Europa leben sie vergleichsweise sicher.

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Quelle: UNODC

Schon im Juni war die Fortschrittsstudie der Frauenorganisation der Vereinten Nationen zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. "Die schockierende Verbreitung von Gewalt in der Partnerschaft bedeutet, dass das Zuhause statistisch gesehen einer der gefährlichsten Orte für eine Frau ist", schrieb Uno-Women-Geschäftsführerin Phumzile Mlambo-Ngcuka.

Die Uno-Expertin sieht zwar "große Fortschritte dabei, institutionalisierte Diskriminierung von Frauen zu bekämpfen". Im öffentlichen Raum sei dies aber einfacher als im privaten Bereich der Familie. Dort seien Änderungen dringend nötig.

So ist die Situation in Europa

"Die Uno-Studie zeichnet ein düsteres Bild über häusliche Gewalt gegen Frauen auf der ganzen Welt. Gewalt gegen Frauen ist weiter verbreitet als viele denken", sagte die menschenrechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gyde Jensen.

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Quelle: UNODC

Laut Uno-Bericht wurzele die Gewalt gegen Frauen oft in stereotypen Ansichten zur autoritären Rolle des Mannes, so die Autoren des Berichts. Wer glaube, der Mann habe das Recht auf Sex oder das Recht, die Frau zu dominieren, neige eher zu Gewalt. Bei den Tätern seien geringe Bildung, Misshandlungen in der Kindheit, Alkohol und die Erfahrung geringer Gewaltgrenzen wichtige Faktoren. Unter den Motiven spielten Eifersucht und Angst vor der Trennung eine wichtige Rolle.

Partner töten meist nicht spontan

Partner oder Ex-Partner würden die Tat meist nicht spontan begehen, heißt es in dem Bericht weiter. Sie stünde vielmehr am Ende einer langen Gewaltspirale und ließe sich deshalb verhindern. Lokale, nationale und internationale Institutionen müssten ihre Bemühungen zum Schutz von Frauen daher verstärken, fordern die Autoren der Studie.

Dazu kommt: In vielen Ländern werde Gewalt gegen Frauen oft gar nicht angezeigt. Die Opfer zögerten oft aus Furcht, dass sie selbst für die sexuelle Gewalt verantwortlich gemacht werden könnten.

Insgesamt werden laut Bericht zwar deutlich mehr Männer als Frauen Opfer von Tötungsdelikten, bei Tötungen im Familienkontext seien allerdings zu 64 Prozent Frauen die Opfer. Die Zahl der Tötungsdelikte insgesamt lag 2017 weltweit demnach bei 464.000.

Sie sinke zwar seit einem Vierteljahrhundert. Allerdings sind laut Uno-Bericht durch Mord und Totschlag viel mehr Menschen gestorben als in allen bewaffneten Konflikten im selben Zeitraum (89.000). Allein die organisierte Kriminalität sei für 19 Prozent aller Tötungsdelikte verantwortlich. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts habe sie zum Tod so vieler Menschen geführt wie alle bewaffneten Konflikte im selben Zeitraum zusammen.

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slü/dpa
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