Streit um Schulen in der Türkei Ex-Fußballstar Sükür verlässt Erdogans AKP

Die Partei des türkischen Regierungschefs Erdogan verliert eines ihrer prominentesten Gesichter: Hakan Sükür, Rekordtorschütze der Fußballnationalelf und Parlamentsabgeordneter, ist aus der AKP ausgetreten. Auslöser ist der Konflikt zwischen der Regierung und der islamistischen Gülen-Bewegung.

Sükür im Trikot von Galatasaray (1999): Bruch mit Erdogan
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Sükür im Trikot von Galatasaray (1999): Bruch mit Erdogan


Brüssel - Wenn in der Türkei vom "Bullen vom Bosporus" die Rede ist, geht es ausnahmsweise mal nicht um Regierungschef Recep Tayyip Erdogan. Diesen Spitznamen hat sich stattdessen Hakan Sükür während seiner fast zwanzigjährigen Fußballkarriere erworben.

Mit Galatasaray Istanbul gewann der 1,90-Meter-Hüne im Jahr 2000 den Uefa-Cup, zwei Jahre später erzielte er das schnellste Tor der WM-Geschichte. Eines von insgesamt 51 im Trikot der türkischen Nationalmannschaft, damit ist Sükür Rekordtorschütze seines Landes.

Die Popularität des Fußballstars wollte sich auch Ministerpräsident Erdogan zunutze machen. Nachdem Sükür vor fünf Jahren seine Karriere beendet hatte, holte ihn Erdogan in die Politik. 2011 zog er für die Regierungspartei AKP in Istanbul ins Parlament ein.

Doch nun hat der 42-Jährige mit seinem Mentor gebrochen. Am Montag verkündete Sükür seinen Austritt aus der AKP. Auslöser ist der Umgang der Regierung mit der sogenannten Gülen-Bewegung. In seiner Austrittserklärung wirft Sükür der AKP "feindliche Schritte" gegen die Anhängerschaft des türkischen Predigers Fethullah Gülen vor.

"Ich kenne und liebe die Gülen-Bewegung"

Die Gülen-Bewegung zählt Millionen Anhänger. Ihnen gehören Unternehmen und Fernsehsender, sie besetzen einflussreiche Stellen in Justiz und Politik. Und sie unterhalten Schulen in der Türkei, aber auch in Afrika, dem Nahen Osten, den USA, Deutschland und anderen europäischen Ländern.

Die Regierung Erdogan plant, diese Schulen, in denen Schüler auf Prüfungen an Gymnasien und Universitäten vorbereitet werden, bis 2015 zu schließen. Damit würde der Gülen-Bewegung eine wichtige Einnahmequelle wegbrechen. AKP-Aussteiger Sükür sagte, es gebe weitaus größere Probleme im türkischen Bildungswesen als die Gülen-Schulen.

Die rigide Haltung der Führung in Ankara ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die Gülen-Bewegung den Aufstieg der AKP in den vergangenen Jahren maßgeblich unterstützt hat. Lange waren die Anhängerschaft Erdogans und Gülens weitgehend deckungsgleich. Inzwischen zeigt sich der in den USA lebende Prediger aber in gesellschaftspolitischen Fragen aber toleranter als der Premier.

"Seit mehr als 20 Jahren kenne und liebe ich die Gülen-Bewegung", erklärte Sükür zu seinem Parteiaustritt. "Diese Menschen, die unsere Regierung bei jedem Thema standhaft unterstützt haben, nun als Feinde zu betrachten, ist im besten Falle einfach nur undankbar."

syd/Reuters

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Zappa_forever 16.12.2013
1. Was soll man dazu sagen...
Zitat von sysoppicture-alliance / dpaDie Partei des türkischen Regierungschefs Erdogan verliert eines ihrer prominentesten Gesichter: Hakan Sükür, Rekordtorschütze der Fußballnationalelf und Parlamentsabgeordneter, ist aus der AKP ausgetreten. Auslöser ist der Konflikt zwischen der Regierung und der islamistischen Gülen-Bewegung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/hakan-suekuer-verlasst-akp-wegen-streit-mit-erdogan-ueber-guelen-bewegung-a-939442.html
...das ist ungefähr so, als ob Paul Breitner aus der CSU austreten würde (wenn er denn Mitglied wäre), weil diese keine gemeinsame Sache mit den Republikanern machen will. Hier wäre der Aufschrei nur wesentlich größer. Schön auch, dass die Gülen-Bewegung in dem Artikel so verniedlichend dargesetellt wird.
erdogan-r 16.12.2013
2. Sukur tritt aus der AKP
Alles schon und gut ,aber man muss auch wissen,dass die Gulenbewegung nicht so tolerant ist wir es hier dargestellt wird.Gerade diese Gulenbewegung ,die im türkischen Polizeiapparat tief verwurzelt ist geht mit ihren politischen(religiösen) Gegner nicht besonders sanft um.Es waren doch Gulens Leute die bei der letzten Wahl Oppositionspolitiker mit Sexviedeos aus dem Weg räumten um Erdogans Position auszubauen.Die Gulenbewegung gibt sich zwar nach aussen sehr tolerant,die aufgetretenen internen Videos zeigen aber genau das Gegenteil.Im Grunde ist die Organisation Ähnlichkeit wie Scientologie aufgebaut.Es geht in erster Linie um die Ausbeutung in Namen der Religion.
tylerdurdenvolland 16.12.2013
3. Grossartiger Journalismus....Toller Artikel
Zitat von sysoppicture-alliance / dpaDie Partei des türkischen Regierungschefs Erdogan verliert eines ihrer prominentesten Gesichter: Hakan Sükür, Rekordtorschütze der Fußballnationalelf und Parlamentsabgeordneter, ist aus der AKP ausgetreten. Auslöser ist der Konflikt zwischen der Regierung und der islamistischen Gülen-Bewegung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/hakan-suekuer-verlasst-akp-wegen-streit-mit-erdogan-ueber-guelen-bewegung-a-939442.html
Gibt es einen bestimmten Grund weswegen wir nicht erfahren dürfen worum es bei diesem Streit geht?
Rahvin 16.12.2013
4. optional
Vielleicht sollte man sich im Vorfeld informieren, wofür die Gülen-Bewegung denn steht, welches Geistes Kind sie ist. Dass Herr Sükür sich dieser Bewegung zugehörig fühlt und sich in der Öffentlichkeit als Märtyrer geriert, macht ihn in meinen Augen nicht sonderlich sympathisch. Sie mag in einigen Fragen liberaler sein, aber das Endziel, die "westliche Kultur" durch den Bau von islamistisch indoktrinierten Schulen zu unterwandern, ist doch nach wie vor ein Thema. Vielleicht sollten wir uns in Deutschland besser informieren, warum diese Leute unser Schulsystem durch den Bau von Privatschulen unterstützen wollen. Und vielleicht berichtet man dann kritischer über Herrn Sükür.
cigdem325 17.12.2013
5. ja ja
die Gülenbewegung.Es ist klar, dass sie sehr viele Anhänger hat, , jedoch ist sie wirklich toleranter als Erdogans Regierung. Erdogan schafft zur Zeit diese Schulen ab, nimmt den Türken Land weg, mit der Begründung, dass das mal armenisches Land wae weg(Was ganz schön blöd ist, da man auch begründen könnte, dass Istanbul mal griechisch war), und zerschlägt buchstäblich Proteste.Ich könnte.noch zig Gründe gegen diese Regierung schreiben, dazu reicht aber der Tag nicht! Ich habe mich mit ihm sehr detailliert befasst und bin zum Schluss gekommen, dass mit dieser Entwicklung, die Türkei zu einer Diktatur heranwächst!
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