Halbzeitwahlen-Liveticker Palin-Schützling droht Schlappe in Alaska

Trotz der Hilfe von Sarah Palin muss der erzkonservative Kandidat in Alaska eine Niederlage befürchten. Statt seiner führt Lisa Murkowski das Rennen um den Senatssitz an - obwohl sie in der Vorwahl noch verloren hatte. Alle Höhepunkte der Wahlnacht im Liveticker von SPIEGEL ONLINE.

REUTERS

+++ Böse Überraschung für Sarah Palin +++

[10:05 Uhr] Es könnte Wochen dauern, bis die endgültige Entscheidung feststeht, doch schon jetzt deutet vieles auf eine Sensation hin: Im Bundesstaat Alaska führt Amtsinhaberin Lisa Murkowski erneut das Rennen um den Senatssitz an - obwohl sie in der Vorwahl der Republikaner gegen Palin-Buddy Joe Miller verloren hatte. Murkowsky trat daraufhin als unabhängige Kandidatin an. Nun sind 71 Prozent der kleinen Wahlbezirke ausgezählt und Murkowski führt mit knappem Vorsprung vor Miller. Dem erzkonservativen Kandidaten konnte anscheinend auch der Support durch Republikaner-Ikone Sarah Palin nicht entscheidend helfen. Vielleicht haben die Bürger von Alaska einfach genauer auf den Kandidaten Miller geschaut: Im Wahlkampf hatte er Murkowski als zu liberal und Teil des Establishments bezeichnet. Er selber war zuvor jedoch politisch überhaupt nicht in Erscheinung getreten.

+++ Neuer Widerstand gegen Obamas Gesundheitsreform +++

[9:43 Uhr] Obama musste lange kämpfen, um seine Gesundheitsreform durchzusetzen - nun droht neuer Widerstand gegen das Prestigeprojekt des Präsidenten. Der künftige republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Eric Cantor, will so schnell wie möglich damit beginnen, die Reform zurückzudrehen. "Ich hoffe, dass wir umgehend ein Widerrufsgesetz einbringen können, wenn wir im Januar die Mehrheit übernehmen", sagte Cantor dem TV-Sender CBS-News. Die Amerikaner hätten landesweit mit ihrer Wahl die Botschaft gesendet, dass sie die Gesundheitsreform nicht wollten, so Cantor. Nach ihrem triumphalen Mehrheitsgewinn im Repräsentantenhaus können die Republikaner dort künftig alle Gesetzesinitiativen Obamas torpedieren.

+++ Homosexueller Kandidat gewinnt in Rhode Island +++

[9:30 Uhr] In Rhode Island hat der Demokrat David Cicilline einen Sitz im Repräsentantenhaus gewonnen - laut "Huffington Post" als Vierter offen homosexueller Politiker. Für die Demokraten ein wichtiger Erfolg: Es ist der Sitz, den zuvor Patrick Kennedy acht Wahlperioden lang gehalten hatte. Der Sohn des verstorben Ted Kennedy hatte im Februar angekündigt, sich nicht erneut zur Wahl zu stellen. Cicilline, 49, ist Bürgermeister der Stadt Providence. Sein Erfolg wurde von Homosexuellenverbänden begrüßt. Es sei gut für Amerika, eine weitere Stimme im Kampf gegen Diskriminierung zu haben, sagte der Wahlsieger.

+++ Clinton auf Abwegen +++

[8.58 Uhr] Wo ist eigentlich Hillary Clinton, während ihre Demokraten abgewatscht werden? Die US-Außenministerin tourt gerade in der Asien-Pazifik-Region. Zurzeit hält sie sich in Papua Neuguinea auf. Dort will sie gegen Korruption vorgehen, für die Einhaltung von Menschen- und Frauenrechten werben. Zum Wahlergebnis in der Heimat hat sie sich noch nicht geäußert.

+++ Viel Geld für nichts +++

[8.09 Uhr] Sie haben tief in die eigene Tasche gegriffen - und viele Millionen Dollar verloren. Bei den Halbzeitwahlen fielen reihenweise schwerreiche Kandidaten durch, die den Wahlkampf aus ihrem Privatvermögen finanziert haben. Das meiste Geld verpulverte die frühere Konzernchefin von eBay, Meg Whitman: Mit mehr als 140 Millionen Dollar - über 100 Millionen Euro - aus dem eigenem Vermögen hatte die Republikanerin ihren Kampf um das Gouverneursamt in Kalifornien finanziert - und gegen den viel ärmeren Demokraten Jerry Brown verloren. Auch die frühere Wrestling-Managerin Linda McMahon muss wohl die schlechteste Investition ihres Lebens abschreiben. Schätzungen zufolge gab sie bis zu 50 Millionen Dollar aus eigener Tasche für ihren Kampf um den Senatsposten in Connecticut aus. Vergeblich. Die frühere Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina gab fünf Millionen Dollar eigenen Geldes aus und unterlag in Kalifornien der Amtsinhaberin Barbara Boxer.

+++ "Ein demokratisches Blutbad" +++

[7.59 Uhr] Zeit für einen Überblick über die Meinung in den US-Medien. "Die Republikaner schwimmen oben auf der Welle der Unzufriedenheit über die wirtschaftliche Lage, das Weiße Haus und den Kongress", kommentiert die "Washington Post". Auch das Magazin "Time" meint: "Der Anti-Washington-Zorn befeuert den Machtwechsel im Abgeordnetenhaus." Der Blog "The Daily Beast" beschäftigt sich mit der Situation der Demokraten und folgert: "Ein demokratisches Blutbad." Die Partei habe ihr Macht-Monopol verloren. Die "New York Times" fragt sich, was das Votum der Wähler bewirken werde - und welche Lehren die Parteien aus der Abstimmung ziehen werden.

+++ Kalifornien wählt den Umweltschutz +++

[7.41 Uhr] Die Kalifornier haben sich für die Beibehaltung eines strikten Klimaschutzgesetzes ausgesprochen, indem sie gegen die "Proposition 23" stimmten. Dies berichtet die "New York Times". "Proposition 23" sah vor, das 2006 vom scheidenden Gouverneur Arnold Schwarzenegger unterzeichnete Gesetz zur Reduzierung von Treibhausgasen vorerst auszusetzen. Das jetzige Votum wurde auch als Sieg für die Umweltpolitik Schwarzeneggers gewertet und als Absage an große Ölunternehmen, die den Volksentscheid mit Millionenspenden finanziert hatten.

+++ Republikaner ergattern zehn Gouverneursposten +++

[7.34 Uhr] In zahlreichen US-Staaten regieren demnächst konservative Gouverneure. Bei den Wahlen haben die Republikaner den Demokraten in mindestens zehn Staaten die Mandate abgenommen. Der Machtwechsel gelang unter anderem in dem vormals demokratisch beherrschten Staaten Pennsylvania, New Mexico, Tennessee und Wyoming. In Oklahoma wurde die Republikanerin Mary Fallin als erste Frau ins Gouverneursamt gewählt. In South Carolina gelang der von der Tea Party unterstützten Kandidatin Nikki Haley ein knapper Sieg über ihren demokratischen Rivalen. Dennoch gab es auch vereinzelte Lichtblicke für die Demokraten. So wird der bevölkerungsreichste Staat Kalifornien künftig von einem demokratischen Gouverneur regiert.

+++ Konfettiregen und Kämpfernatur - Reid macht Demokraten Mut +++

[6.59 Uhr] Die Republikaner waren entschlossen, dem mächtigsten demokratischen Senator Harry Reid eine herbe Niederlage zuzufügen. Doch dieser konnte sich letztlich in Nevada durchsetzen - und wandte sich erleichtert an seine Anhänger. Er wisse, was es bedeute, Schläge einzustecken: "Aber ich weiß auch, dass man wieder auf die Beine kommt. Ich höre nicht auf zu kämpfen." Die nächste Runde werde jetzt eingeläutet, sagte Reid. Dann dankte er allen Unterstützern, umarmte Mitarbeiter und Konfetti regnete von der Decke.

+++ Nancy Pelosi: "Unten, aber definitiv nicht draußen" +++

[6.44 Uhr] Die linksliberale Demokratin Nancy Pelosi hat einen klaren Wahlsieg errungen: Die bisherige Parlamentspräsidentin ist von den kalifornischen Wählern auf ihrem Abgeordnetensitz in Washington bestätigt worden. In ihrem Wahlkreis in San Francisco erreichte sie nach Berechnungen des US-Senders CNN rund 78 Prozent der Stimmen. Seit über 20 Jahren hat Pelosi in ihrem Bezirk immer haushoch gewonnen. Ihr republikanischer Gegenkandidat John Dennis hatte keine Chance. Nach dem Verlust der demokratischen Mehrheit im Abgeordnetenhaus wird Pelosi allerdings als Parlamentspräsidentin abgelöst; sie war die erste Frau auf diesem Posten in der Geschichte der USA. Die "Huffington Post" folgert daher, Pelosi sei "Down, definitely not out" - "Unten, aber definitiv nicht draußen".

insgesamt 9 Beiträge
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millibua 02.11.2010
1. Zeitproblem?
Komisch, CNN meldet, dass in Georgia noch gewählt wird. Die Wahllokale dort machen erst um 7 Uhr zu. Noch 3 Minuten also...
Sharoun 02.11.2010
2. Nur die dümmsten Kälber...
...wählen ihre Schlächter selber. Ich hoffe, die Amis wählen sich stückweise ihre republikanische Führung zusammen -inklusive Präsidentin. Dann haben sie ES auch bald hinter sich und die Welt kann sich mit neuen Großmächten arrangieren.
sikasuu 03.11.2010
3. Abgeordnete bei E-bay kaufen?
Warum wählen die in USA denn noch. Bei den massiven Beeinflußungen durch das große Geld wäre es doch besser und für alle transparenter man würde die Plätze im Senat und im Haus bei E-bay versteigern. . Dann wüsste man endlich was so ein Man/Frau Wert ist und was so ein Platz kostet.Auch der Meistbietende läge dann eindeutig fest und niemand müsste rätseln, wer den Abgeordneten jetzt gekauft hat. Die "Amis" machen es sich unnötig schwer :-))
cartman0815 03.11.2010
4. Manche Dinge brauchen....
Das Land steckt so tief in der Scheisse und daher gibt es für Obama keine Alternative. Das Leben auf Pump ist vorbei, zunächst muss man mal etwas verwertbares produzieren, das auch im Ausland Kaufinteresse weckt. Der Traum ist vorbei, die Realität hat die USA eingeholt.
tito, 03.11.2010
5. Ultra rechts
Rand Paul als ultrakonservativ zu bezeichnen ist nun völlig daneben. Rand Paul, wie sein Vater Ron werden von den Konservativen als Außenseiter betrachtet, weil sie die Verschuldungsorgie der letzetn Bush Regierung nicht mitmachen wollten. Was ist daran ultra? Was ist ultra an einem Senator, der gegen die Kriege plädierte? Was ist ultra an Senatoren, die für die reale Wirtschaft plädieren und gegen die virtuelle Geldwirtschaft? Was ist ultra an Senatoren, die dafür plädieren, dass diejenigen, die pleite sind auch pleite gehen? Was ist ultra daran, dass die obere Finanz- oder Autowirtschaft den gleichen Gestzen zu unterliegen hat, wie der Tante Emma Laden nebenan? Was ist ultra daran, dass zB in der Klimapolitik nicht einer gefühlten (Consensus) Einheithaltung gefolgt wird, sondern dem Kantschen "Habe dem Mut zum eigenen Urteil"? Was ist ultra daran, dass schon im Vorfeld der Gesetzgebung erkannt wird, dass bei Cap and Trade die Mafia das Sagen hat? (sie hat es mittlerweile). Freiheit ist die Freiheit des Anderen. Dazu gehört die Achtung des Anderen. Die hat der Autor dieses Artikels allerdings nicht. Platt, platter - BILD.
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