Hamas Hanija soll Ministerpräsident werden

Die Regierungsbildung in den Palästinensergebieten geht voran: Die radikalislamische Hamas hat Ismail Hanija offiziell als Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorgestellt.


Gaza - Präsident Mahmud Abbas werde Hanija morgen Abend mit einem offiziellen Nominierungsschreiben präsentieren, teilte ein Hamas-Sprecher mit. Bereits am Samstag hatte der Palästinenserpräsident die Hamas offiziell mit der Regierungsbildung beauftragt.

Hanija war der Spitzenkandidat der Hamas bei der Parlamentswahl vom 25. Januar, die die israelfeindliche Organisation mit absoluter Mehrheit gewann. Er gilt nach außen hin als ein eher moderater Vertreter der radikalen Hamas.

Der 43-Jährige wuchs im Gazastreifen auf und war ein Vertrauter des von Israel getöteten Hamas-Führers Scheich Ahmed Jassin. Deshalb genießt er bei der Basis der Hamas hohes Ansehen. Selbst entkam Hanija, der gelernter Pädagoge ist und elf Kinder hat, vor drei Jahren nur knapp einer Vergeltungsaktion der Israelis. Hanija war mehrmals in israelischer Haft.

Er hatte entscheidenden Anteil am Zustandekommen eines faktischen Waffenstillstands der bewaffneten Palästinensergruppen im vergangenen Jahr. Rhetorisch hält er daran fest, dass der künftige palästinensische Staat "ganz Palästina" - einschließlich Israel - umfassen und gemäß der Scharia, dem islamischem Recht, regiert werden müsse.

Solange die israelische Besatzung andauere, habe das palästinensische Volk das Recht zur Selbstverteidigung. Erst wenn ein unabhängiger Palästinenserstaat mit Jerusalem als Hauptstadt erkämpft sei, werde die Hamas ihre Waffen niederlegen. Ob Hanija trotz der ideologischen Erklärungen zu einem Gesprächspartner für die israelische Seite werden könnte, ist bislang nicht abzusehen.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.