Verschwunden in Ägypten Islamkritiker Abdel-Samad soll leicht verletzt worden sein

Der in Kairo verschwundene deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad ist wieder aufgetaucht. Der Schriftsteller sei leicht verletzt worden, berichtet ein Freund. Nun will der Islamkritiker umgehend nach Deutschland zurückkehren.

Hamed Abdel-Samad: Die Polizei glaubt nicht an eine Entführung
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Hamed Abdel-Samad: Die Polizei glaubt nicht an eine Entführung


Kairo - Der in Kairo für kurze Zeit verschwundene deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad soll leicht verletzt worden sein. "Er ist an einem Auge verletzt worden und leicht am Kopf", sagte Kacem Al Ghazzali, ein Freund Abdel-Samads, SPIEGEL ONLINE. Dies habe ihm der Bruder des Publizisten, Mahmud Abdel-Samad, am Dienstagmorgen mitgeteilt. Dieser war für SPIEGEL ONLINE vorerst nicht zu erreichen.

Was genau passiert sei, habe ihm Mahmud Abdel-Samad jedoch nicht mitgeteilt, berichtet Ghazzali. Abdel-Samad, 41, der seit 23 Jahren in Deutschland lebt und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, war am Sonntag während eines Besuchs in Kairo verschwunden und galt als entführt.

Der Islamkritiker war nach Angaben Ghazzalis wegen persönlicher Angelegenheiten und zum Familienbesuch in Ägypten. Der mysteriöse Vorfall habe ihn nun dazu gebracht, früher als geplant wieder nach Deutschland zurückzukehren.

"Am Donnerstag, spätestens am Freitag wird er nach Deutschland fliegen", sagte Ghazzali. "Ich glaube, Hamed will sich erst äußern, wenn er wieder in Deutschland ist. Da ist er sicherer und kann eher sprechen", sagte Ghazzali.

Wer für das vorübergehende Verschwinden Abdel-Samads verantwortlich ist, bleibt weiterhin unklar. "Ich dachte zuerst, das waren bestimmt die Islamisten. Aber wir wissen es einfach nicht, wer dahintersteckt", sagte Ghazzali. Aus Sicherheitskreisen in Kairo hieß es am Mittwoch: "Es war keine Entführung. Er war einfach nur verschwunden."

Militante Islamisten hatten dem Autor im Sommer mit Mord gedroht, nachdem dieser den Muslimbrüdern bei einem Vortrag im kleinen Kreis in Kairo "Islamfaschismus" vorgeworfen hatte. "Kurz darauf begann im Internet eine Hetzkampagne gegen mich, auf Facebook erschienen mehrere Seiten mit Fotos von mir, auf denen 'Wanted Dead!' geschrieben war", sagte Abdel-Samad damals gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Einen anderen Verdacht hatte der Bruder des Autors in einer ägyptischen Fernsehsendung am Montagabend geäußert. Es sei auch möglich, dass ein Streit mit Geschäftspartnern hinter dem Verschwinden von Abdel-Samad stecke. Die Geschäftspartner hätten sich wegen einer gemeinsamen Investition und ausstehender Schecks überworfen. Der Streitfall beschäftige bereits ein Gericht in dem Kairoer Vorort Chanka. Angeblich soll es dabei um einen Betrag von etwa 240.000 Euro gehen, den die Geschäftspartner Abdel-Samad schuldeten.

Derzeit sei der Publizist noch in Ägypten, wo die Polizei wegen seines Verschwindens ermittelt. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes befindet sich Abdel-Samad in der Obhut des deutschen Botschafters in Kairo.

ras/dpa

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