Hamza Bin Laden Das Gesicht des Terror-Unternehmens

Hamza Bin Laden sollte die Marke al-Qaida am Leben erhalten. Mit seinem Tod endet die Legende des Terror-Clans von Osama Bin Laden vorläufig. Wer war der junge Mann? Eine Spurensuche.

Hamza Bin Laden auf dem Fahndungsfoto des US-Außenministeriums
State Department/Handout /REUTERS

Hamza Bin Laden auf dem Fahndungsfoto des US-Außenministeriums

Von und Sohail Nasir


In seinen Propagandavideos "Tag mit dem Imam" erzählt al-Qaida-Führer Aiman al-Sawahiri gern von Osama Bin Laden. Der Terrorpate ist schon lange tot, ebenso wie sein als Nachfolger vorgesehener Sohn Saad, der 2009 bei einem Drohnenangriff starb. Nun wird Sawahiri auch nicht mehr von Hamza Bin Laden berichten können. Seit Donnerstag ist bekannt, dass auch der 1980 in Dschidda geborene Hamza nach US-Angaben tot sein soll. Vermutlich starb er bereits vor zwei Jahren im Krieg in Afghanistan.

Ursprünglich wuchs Hamza bei seiner Mutter Khairiah Sabar, einer promovierten Islamwissenschaftlerin, in Saudi-Arabien auf. Der Vater kämpfte damals in Afghanistan gegen die Rote Armee. Ehefrau Khairiah und die Kinder besuchten ihn häufig in den hügeligen Landschaften von Tora Bora im Osten Afghanistans. Dort unterhielt Bin Laden seine Ausbildungslager. 1989 kehrte der selbsternannte Gotteskrieger dann zunächst als gefeierter Held ins saudische Königreich zurück.

Bin Laden bot seine Dschihadisten dem saudischen König an

Die Begeisterung hielt nicht lange an. Die Herrscher von Riad und Bin Laden überwarfen sich. Die Sauds wappneten sich damals gegen Überfälle von Nachbarstaaten.

Zum Schutz des Landes hatte der König amerikanische Truppen ins Land geholt, denn der irakische Diktator Saddam Hussein hatte kurz zuvor Kuweit überfallen. Bin Laden betrachtete die Präsenz einer Schutzmacht aus "Ungläubigen" als Schmach.

Stattdessen bot er seine internationalen Mudschahidin als Verteidigungsarmee für das Land mit den heiligsten Stätten des Islam an. Die Sauds lehnten ab. Bin Laden musste das Land verlassen. Die Familie ging zwischenzeitig in den Sudan.

Von der Mutter als Terrorpate empfohlen

Hamza reiste viel mit den Eltern, immer wieder auch nach Pakistan und Afghanistan. Von Bin Ladens 23 Kindern waren die Teenager Saad und Hamza mit am meisten an der Seite ihres Vaters.

Hamza Bin Laden (Ausschnitt aus 2011 entdecktem Video unbekannten Datums): Al-Qaida schweigt
Uncredited/CIA/dpa

Hamza Bin Laden (Ausschnitt aus 2011 entdecktem Video unbekannten Datums): Al-Qaida schweigt

Hamza, so berichten es pakistanische Quellen dem SPIEGEL, liebte es zu reiten, er kletterte gern, sah viel Fernsehen und Videos, er folgte aber auch aufmerksam den Nachrichten. Er soll die afghanische und arabische Küche geliebt haben. Obgleich Hamza offenbar nicht über herausragende Fähigkeiten als Stratege verfügte, empfahl ihn die Mutter immer wieder für besondere Aufgaben in der Terrororganisation.

In Afghanistan waren seit Mitte der Neunzigerjahre die Taliban an der Macht. Die Bin Ladens wurden dort hofiert. Nach den Terroranschlägen von 2001 fiel jedoch die Diktatur der Islamisten. Auch die Wege der Familie trennten sich:

  • OBL, wie die Amerikaner den Qaida-Chef nur kurz nannten, versteckte sich im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet.
  • Hamza und die Mutter gingen nach Iran. Dort lebten sie zwar sicher, aber unter Hausarrest der Sicherheitsdienste.

In Briefen aus seinem Versteck schrieb Bin Laden immer wieder von seiner Sehnsucht nach Sohn Hamza, der offenbar weit entfernt lebte.

Vater - mit 17 Jahren

Mehrere Quellen in Pakistan bestätigten dem SPIEGEL allerdings, dass Hamza zumindest in den letzten Lebensjahren seines Vaters nahe bei ihm in Abbottabad gewohnt habe, wahrscheinlich sogar in der gleichen Straße. Da war er bereits verheiratet und Vater geworden - mit gerade einmal 17 Jahren.

Als amerikanische Navy Seals in der Nacht vom 2. Mai 2011 den Komplex in Abbottabad stürmten und OBL sowie einen weiteren Sohn töteten, befand sich Hamzas Mutter Khairiah ebenfalls im Haus. Sie wurde später nach Saudi-Arabien gebracht. Hamza dagegen gelang die Flucht nach Afghanistan.

Bin Laden hatte über die Jahre eine sichere Route aufgebaut, um von seinem pakistanischen Versteck in die afghanische Grenzprovinz Kunar zu gelangen. Kunar ist bis heute eine selbst für Militärs schwer zugängliche Region und deshalb ein gutes Versteck. Denselben Weg nutzte mutmaßlich auch Hamza in der Nacht, als sein Vater starb.

PR-Gesicht für al-Qaida

Mit Unterstützung seines Schutzpatrons Aiman al-Sawahiri, dem heutigen Qaida-Chef, versteckte sich Hamza zunächst wie früher schon sein Vater in der Grenzregion. Als biologischer Sohn von Bin Laden konnte er sich in Afghanistan des Respekts vieler ehemaliger Weggefährten des Vaters sicher sein, auch im Süden des Landes.

Anders als dem Vater trauten die pakistanischen Sicherheitsleute dem jungen Bin Laden jedoch wenig. Er hatte einige Zeit in der Schiiten-Republik Iran gelebt, das machte ihn suspekt. Die Mutter Khairiah war ebenfalls immer wieder zwischen Iran und Pakistan gependelt. Pakistanische Geheimdienstler hegten deshalb den Verdacht, dass iranische Agenten ihren Weg womöglich verfolgten. Hamza soll nach dem Tod seines Vaters auch nie wieder nach Pakistan zurückgekehrt sein.

Für die Organisation al-Qaida war Hamza vor allem ein PR-Gesicht. Er sei ein begeisterter Dschihadist gewesen, heißt es, und habe sich engagiert an militärischen und ideologischen Debatten beteiligt. Das brachte ihm offenbar Sympathie in der Qaida-Gemeinde.

"Er und seine Familie haben den Namen des Islams beschmutzt"

In Hamza Bin Laden schien die Legende des ehemaligen Gründers fortzuleben. Sein Tod ist ein erheblicher Verlust für das Terror-Unternehmen. Dem aktuellen Führer, al-Sawahiri, fehlt das Charisma der Bin Ladens.

Der wahrscheinlich wichtigste Mann im Hintergrund, der saudi-arabische Operationschef Ibrahim al-Makki, könnte die Organisation wohl weiterführen, heißt es in Sicherheitskreisen. Der Stern der Terrorgruppe ist jedoch zumindest in Pakistan im Sinkflug, wo Bin Laden sein Ende fand.

2001 konnte man dort an jeder Straßenecke Fan-T-Shirts mit Bin Ladens Konterfei kaufen. Das ist vorbei. Die Nachricht vom Tod Hamzas löse in ihm keine Trauer aus, sagt der Lehrer Anjam Khan, 38, ein hochgewachsener Herr, in Islamabad. Im Gegenteil. "Osama Bin Laden", so Khan, "war mal einer der ganz großen Mudschahidin, aber er und seine Familie haben den Namen des Islams beschmutzt."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Osama Bin Laden sei von Marines getötet worden. Tatsächlich waren es Navy Seals. Wir haben die Passage korrigiert.

insgesamt 8 Beiträge
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nealcaffrey 02.08.2019
1. Keine Marines
Operation Neptune's Spear wurde von Navy Seals und nicht von Marines durchgeführt.
michidharky 02.08.2019
2.
Nicht Marines töteten OBL sondern Navy Seals. In den USA gibt es die Army, die Air Force, die Navy, die Marines, die Coast Guard, ubd seit neustem die Space Force, als Teilstreitkräfte. Die Seals gehören zur Navy, die Marines sind nicht mit unserer Marine zu verwechseln.
RocketDogs 02.08.2019
3. Navy Seals Team 6
Um ganz genau zu sein, es war das Navy Seals Team 6. Heute ist das Team 6 die NAVSPECWARDEVGRU United States Naval Special Warfare Development Group.
lasterfahrer 02.08.2019
4. 1980
im artikel steht hamza ist 1980 geboren, das ist falsch. wie soll er bitte nach 2001 mit 17 jahren Vater geworden sein, wenn er 1980 geboren wurde?
dr_gb 02.08.2019
5. kein AQ-Chatter ueber Tod OBL-Sohn
und dennoch wird davon ausgegangen, dass er umkam ?! NBC meldete es lt. cnn/wp/nyt wohl zuerst. Waere es cbs 60min die es recherchierten, es aber eben nicht waren, haette ich — muss ich gestehen, weitaus leichtglaeubiger — keine Zweifel, zumindest sehr wenige. Aber diese nebuloese recht krampfig ausgeschwitzte Headline scheint auch andere etwas fragend, zugleich hoffend es trifft im wesentlichen Wahrheits-gemaess faktisch zu, doch einmal nachfragen ..
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