Harlem Revival Das Schwarzenviertel boomt


Auch die Geschäftswelt hat Harlem neu entdeckt.
AP

Auch die Geschäftswelt hat Harlem neu entdeckt.

New York - Das einst berühmt-berüchtigte New Yorker Schwarzenviertel Harlem, in dem Ex-Präsident Bill Clinton jetzt sein Büro eröffnete, hat sich in den letzten zehn Jahren total verändert. Der Wirtschaftsboom der neunziger Jahre bescherte Harlem die als "Harlem Revival" (Wiederbelebung) benannte Wende. Mit dem Kapital der Stadt New York wurden verfallene Häuser wieder aufgebaut und statt an Spekulanten aus Manhattan unter dem Wert an ihre Bewohner verkauft.

Die Harlemer ihrerseits griffen zur Selbsthilfe und organisierten sich nach Jahren des ohnmächtigen Zusehens gegen Drogenhändler und Kriminelle auf den Straßen. Die Verbrechensrate sank, und Harlem wurde erstmals nach Jahrzehnten wieder attraktiv für Zuwanderer und Unternehmer.

Panorama-Ansicht von East Harlem
AP

Panorama-Ansicht von East Harlem

An der 125. Straße finden sich heute fast alle namhaften Geschäfte und Restaurantketten, die es zuvor nur in Manhattan gab. Auch das berühmte Apollo-Theater, Bühne für die größten Jazzmusiker der USA, wurde inzwischen renoviert und unterhält - schräg gegenüber vom Büro Clintons - wieder allabendlich Jazzliebhaber aus aller Welt.

Harlem wurde 1658 von den Holländern als Nieuw Haarlem gegründet und war gut 200 Jahre lang nur landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Dann wurde es durch eine Bahnlinie mit dem geschäftigen Süden Manhattans verbunden und zum Zielort für reiche New Yorker.

Doch Harlems Reiz als Wochenend- und Sommeridylle für weiße Industrielle und Geschäftsleute litt unter einem Bauboom um die Jahrhundertwende. Kurz nach 1900 zogen die ersten Afroamerikaner dorthin, und bis 1920 hatte sich Harlem zum kulturellen Zentrum und zur prominentesten Gemeinde der Schwarzen in den USA entwickelt.

Die wirtschaftliche Depression der dreißiger Jahre traf das kulturell reiche, aber finanziell schwache Harlem besonders schwer. Aus dem Anziehungspunkt für Schwarze wurde "das andere Amerika", ein isolierter Bezirk mit extrem hoher Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Gewalt, Drogensucht und Verzweiflung, dem Weiße unter allen Umständen mieden und Schwarze nach Möglichkeit zu fliehen versuchten. Heute wiederum gibt es bereits Proteste der Schwarzen in Harlem gegen die "weiße Eroberung des schwarzen Harlems".



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.