Hassan Nasrallah Libanons Hisbollah-Führer droht Israel

Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr hat sich der libanesische Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah in der Öffentlichkeit gezeigt. In einer Rede vor Zehntausenden Anhängern drohte er Israel: "Wir haben die Köpfe israelischer Soldaten."


Beirut - Der Anführer der libanesischen Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, hat sich am Samstag erstmals seit mehr als einem Jahr wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Vor Zehntausenden von Anhängern drohte Nasrallah bei einer Kundgebung im Süden Beiruts dem Nachbarn Israel Vergeltung für den Fall "neuer Aggressionen" an.

Libanons Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah: Rundgang durch Beiruts schiitische Vororte
AP

Libanons Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah: Rundgang durch Beiruts schiitische Vororte

"Ich verkünde hiermit, dass unsere Streitkräfte in ständiger Alarmbereitschaft sind und sich jedem möglichen Krieg gegen den Libanon entgegenstellen werden", sagte der Hisbollah-Führer. Die pro- iranische Schiitenpartei und Israel hatten im Sommer 2006 einen 33 Tage währenden Krieg geführt, der durch die Entführung zweier Israelis ausgelöst worden war. Dem Konflikt waren rund 1200 Libanesen und 160 Israelis zum Opfer gefallen.

Nasrallah verurteilte die jüngsten Militärschläge Israels im Gazastreifen. Mit Blick auf die von US-Präsident George W. Bush initiierten Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern wies der Hisbollah-Führer jeglichen Friedensplan zurück, der auf eine "Kapitulation" hinauslaufe. Der einzige Weg zur Freiheit sei der "Widerstand".

Vor seiner Rede hatte Nasrallah, beschützt von Dutzenden Leibwächtern, die schiitischen Vororte von Beirut besucht. Der Rundgang geriet zu einer Demonstration, bei der Sprechchöre mit Äußerungen wie "Gott schütze Nasrallah" und "Tod für Amerika, Tod Israel" zu hören waren. Kurz nach seinem martialischen Auftritt wurde ein Video der Rede verbreitet, in dem er davon sprach, über die "Körperteile israelischer Soldaten" zu verfügen. Nasrallah: "Wir haben die Köpfe, die Hände, die Füße und sogar einen fast intakten Leichnam."

Nasrallah war zuletzt bei einer "Siegesfeier" nach dem Krieg gegen Israel öffentlich aufgetreten. Seither hatte er sich aus Furcht, die Israelis trachteten ihm nach dem Leben, versteckt gehalten und sich nur über das Fernsehen und Videobotschaften an seine Anhänger gewandt.

Eine Form von Wahlkampf

Nasrallahs Auftritt dürfte die Stimmung im Libanon weiter anheizen. Das Land versucht seit fast zwei Monaten, eine neue Regierung zu etablieren. Zwölf Parlamentssitzungen, in denen ein neuer Regierungschef gefunden werden sollte, mussten aufgrund von Spannungen zwischen der vom Westen unterstützten Parlamentsmehrheit und der schiitischen Opposition vertagt werden. Für Montag ist ein weiterer Versuch angesetzt, eine weitere Vertagung gilt jedoch als wahrscheinlich.

In dem Streit geht es vor allem um die Besetzung von Ministerposten. Während Einigkeit über den designierten Regierungschef General Michel Sleiman herrscht, fordert die Hisbollah ein Drittel aller Posten und somit Vetorechte für sich ein. Damit ist die Mehrheit nicht einverstanden.

pat/AFP/dpa



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