Jemen-Konflikt Rohani nennt Angriff auf Ölanlagen eine "Warnung" der Huthis

Die Trump-Regierung macht Teheran für die Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien verantwortlich. Irans Präsident Hassan Rohani weist dies zurück. Mit den Attacken wehrten sich Jemeniten gegen die Vernichtung ihres Landes.

Hassan Rohani: "Diese Warnungen sollten ernst genommen werden"
Office of the Iranian Presidency/AP/dpa

Hassan Rohani: "Diese Warnungen sollten ernst genommen werden"


Irans Präsident Hassan Rohani hat die jüngsten Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien als eine "Warnung" an die Regierung in Riad bezeichnet. Saudi-Arabien solle daraus "Lehren" ziehen. Die Jemeniten hätten das legitime Recht, sich gegen die Vernichtung ihres Landes zu wehren - und als Warnung auch industrielle Ziele anzugreifen, sagte Rohani in Teheran. "Diese Warnungen sollten ernst genommen und das Kriegsfeuer in Jemen sollte ein für allemal gelöscht werden."

Zu den Attacken auf die beiden Ölanlagen des saudi-arabischen Staatskonzerns Aramco in Abkaik und Churais am Samstag hatten sich die jemenitischen Huthi-Rebellen bekannt. Sie werden im jemenitischen Bürgerkrieg von Iran in ihrem Kampf gegen eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition unterstützt. Rohani bezog sich in seiner Erklärung aber nicht ausdrücklich auf die schiitischen Huthis.

Er wies ferner jede Beteiligung Irans an den Angriffen auf die Ölanlagen zurück. "Neben den politischen und wirtschaftlichen Sanktionen kommen die USA nun auch mit Unterstellungen gegen den Iran", sagte Rohani. Die USA wüssten selbst, dass die absurd und grundlos seien und auch international nicht ernst genommen würden.

Auch in einem offiziellen Schreiben an die USA wies das iranische Außenministerium jegliche Beteiligung an den Angriffen zurück. "Iran hat mit dem Angriff nichts zu tun", heißt es in dem Brief, der den USA über die Schweizer Botschaft in Teheran zugestellt wurde. Die Schweiz vertritt in Iran die diplomatischen Interessen der USA. "Falls gegen Iran eine (Militär-)Aktion ausgeübt werden sollte, werden wir die umgehend erwidern und die Dimensionen wären nicht limitiert", heißt es in dem Schreiben, aus dem die Nachrichtenagentur Irna am Mittwoch zitierte. Es soll der Schweizer Botschaft schon am Montag übergeben worden sein.

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US-Außenminister Mike Pompeo machte zuletzt dennoch Iran direkt dafür verantwortlich. US-Präsident Donald Trump nahm nach den Angriffen ebenfalls Iran als möglichen Verantwortlichen ins Visier.

Saudi-arabischer Botschafter in London macht Iran für die Attacken verantwortlich

Inzwischen vermutet wohl auch Saudi-Arabien, dass Iran an den Angriffen beteiligt gewesen sei. Es sei so gut wie sicher, dass Iran die Attacken unterstützt habe, sagte der saudi-arabische Botschafter in London, Prinz Chalid bin Bander bin Sultan Al Saud der BBC.

Sein Land wolle aber nicht übereilt handeln. "Denn das Letzte, was wir brauchen, ist ein weiterer Konflikt in der Region." Saudi-Arabien versuche gemeinsam mit den USA, Großbritannien, der Uno und anderen Partnern, die Lage aufzuklären und herauszufinden, woher die Angriffe gekommen seien.

Bei der Aufklärung der Angriffe sollen nun auch französische Experten helfen. Der französische Präsident Emmanuel Macron habe dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in einem Telefongespräch die Entsendung der Fachleute bestätigt, teilte der Élyséepalast mit.

Die Experten würden auf Ersuchen der saudi-arabischen Behörden geschickt und sollen unter anderem Angreifer und Ablauf des Angriffs ermitteln. In dem Gespräch habe Macron die Angriffe aufs Schärfste verurteilt, hieß es weiter. Er habe dem Kronprinzen Frankreichs Solidarität versichert und das Engagement Frankreichs für die Sicherheit Saudi-Arabiens und die Stabilität der Region bekräftigt.

Noch kein US-Visum: Rohani könnte Uno-Teilnahme absagen

Die USA haben vor der anstehenden Uno-Vollversammlung offenbar noch kein Einreisevisum für Rohani ausgestellt. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf Regierungskreise. Daher erwögen das Präsidialamt sowie das Außenministerium, die für nächste Woche geplante Teilnahme an der Vollversammlung der Vereinten Nationen abzusagen. Das könnte schon in den nächsten Stunden passieren, falls bis dahin die Visa nicht ausgestellt sein sollten, berichtete Irna weiter.

Seit Wochen wird spekuliert, dass es am Rande der Generaldebatte auch zu Gesprächen Rohanis mit US-Präsident Donald Trump kommen könnte. Rohani hat zwar ein bilaterales Treffen mit Trump abgelehnt, nicht aber eine Unterredung mit ihm in Anwesenheit der anderen fünf Vertragspartner des Atomabkommens - das sind China, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Bedingung sei jedoch eine Aufhebung der US-Sanktionen, die den Iran in den vergangenen Monaten in eine akute Wirtschaftskrise gestürzt haben.

asa/als/AFP/Reuters/dpa



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