Terrorprozess in New York Jury spricht Hassprediger Abu Hamza in allen Punkten schuldig

Er soll Terrorcamps in den USA geplant haben, an der Entführung von Touristen beteiligt gewesen sein: Eine New Yorker Jury hat den radikalen Imam Abu Hamza jetzt in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Ihm droht lebenslange Haft

Beschuldigter Abu Hamza: Schuldig in allen Anklagepunkten
DPA

Beschuldigter Abu Hamza: Schuldig in allen Anklagepunkten


New York - Der Terrorprozess gegen den radikalen Imam Abu Hamza geht mit einem klaren Urteil zu Ende: Die Jury aus acht Männern und vier Frauen sprach den Beschuldigten am Montag vor einem US-Bezirksgericht in Lower Manhattan in allen elf Anklagepunkten schuldig. So soll er an einer Geiselnahme im Jemen und Anschlägen in Afghanistan beteiligt gewesen sein sowie Dutzende Terroristen radikalisiert haben - darunter einen der 9/11-Attentäter. Zudem soll der Angeklagte die Einrichtung eines Terrorcamps innerhalb der USA geplant haben.

Beobachter rechnen damit, dass der gebürtige Ägypter mit britischem Pass nun den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen wird. Das Strafmaß soll am 9. September verkündet werden. Der Angeklagte hatte während des Prozesses bestritten, Terroristen unterstützt zu haben. Das Strafmaß wird zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt.

Wieder einmal sei ein "berüchtigter Terrorist" zur Verantwortung gezogen worden, sagte Staatsanwalt Preet Bharara. "Abu Hamza war nicht nur ein Prediger des Glaubens, sondern ein Ausbilder von Terroristen." Der Angeklagte hatte die Anschuldigungen zurückgewiesen.

Seine radikalen Ansichten hat Hamza - der vor Gericht auf seinem Geburtsnamen Mustafa Kamel Mustafa besteht - nie verheimlicht. Vor allem in seinen Predigten in einer Moschee im Londoner Viertel Finsbury Park rief er offen zum Dschihad gegen alle "Ungläubigen" auf. Umso überraschender war ein Bekenntnis des Angeklagten während des Prozesses: Er habe in London als Co-Manager eines Stripclubs gearbeitet, sagte er. Als Grund nannte er Sehnsucht nach dem "westlichen Lebensstil, dem amerikanischen Lebensstil".

Nach seiner Hinwendung zum radikalen Islamging Abu Hamza in den achtziger Jahren nach Afghanistan, wo er gegen die Sowjets kämpfte. Während des Kriegs wurde er schwer verwundet, er verlor beide Hände und ein Auge. Deshalb trägt er an der rechten Hand eine Hakenprothese und oft eine Augenklappe.

Hamza war 2004 in Großbritannien festgenommen worden. Der Vorwurf: Anstiftung zu Mord und Rassenhass. 2006 wurde er zu sieben Jahren Haft verurteilt. Parallel strengten die USA ein Auslieferungsverfahren an, das sich jahrelang durch die Instanzen quälte. Erst im Oktober 2012 traf Hamza in New York ein.

Die 19 Seiten starke US-Anklageschrift ist seit 2004 fast unverändert. Die Staatsanwaltschaft sah Hamza als "Terroristen-Unterstützer von globaler Reichweite".

jbe/Reuters/AP/AFP

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