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03. Juli 2011, 11:56 Uhr

Haushoher Sieg bei Wahl

Thailändische Opposition demütigt Regierung 

Sie ist die Schwester des vor fünf Jahren gestürzten Regierungschefs und galt durchaus als Favoritin bei der Parlamentswahl in Thailand. Doch nun hat Oppositionsführerin Yingluck Shinawatra laut Prognosen sogar einen haushohen Sieg eingefahren. Sie könnte die erste Regierungschefin des Landes werden.

Bangkok - Noch sind es nur Prognosen, aber die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Opposition in Thailand steht vor einem klaren Sieg bei der Parlamentswahl. Die Partei Pheu Thai von Yingluck Shinawatra, der Schwester des vor fünf Jahren gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, kam nach Angaben von zwei Meinungsforschungsinstituten auf deutlich mehr als 250 der 500 Sitze im Parlament. Sollte die Wahlkommission die Zahlen bestätigen, wäre die 44-jährige Yingluck die erste Regierungschefin des Landes.

In den Wählernachfragen der Universität Suan Dusit kam Yinglucks Partei auf 313 Sitze, während die regierenden Demokraten von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva 152 Sitze erreichten. Die Universität ABAC in Bangkok rechnete mit 299 Sitzen für Pheu Thai und 132 für die Demokraten. Die Prognosen wurden nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht. Offizielle Ergebnisse sollten im Verlauf des Sonntags bekanntgegeben werden.

Die Wahl verlief weitgehend friedlich - obwohl der Wahlkampf brutal war wie nie zuvor. Dennoch befürchteten Beobachter Ausschreitungen, sollten die rivalisierenden Parteien oder die Streitkräfte das Ergebnis nicht akzeptieren. Seit dem Sturz Thaksins kam es immer wieder zu teils gewaltsamen Straßenprotesten seiner Anhänger und Gegner. Der ehemalige Ministerpräsident wurde in Thailand in Abwesenheit wegen Korruption zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er lebt derzeit in Dubai.

Die neue Regierung muss tiefe Gräben in der Gesellschaft überwinden, die sich nach Jahren mit Straßenprotesten, einem Militärputsch und wachsender Gewalt aufgetan haben. Die Wahlbeteiligung am Sonntag war offenbar höher als bei den letzten Wahlen im Dezember 2007, als 74 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten.

böl/dapd/dpa

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