Prinzessin Haya und Scheich Mohammed Aus Dubai geflohen, in London vor Gericht

Prinzessin Hayas Flucht aus ihrer Ehe mit Dubais Herrscher Mohammed beschäftigt ein Gericht in Großbritannien. Der Fall zwingt ihren Bruder, Jordaniens König Abdullah II., zu einem Balanceakt.

Haya bin al-Hussein und Mohammed bin Raschid: Sie - oder zumindest ihre Anwälte - sehen sich vor Gericht
Alan Crowhurst/ Getty Images

Haya bin al-Hussein und Mohammed bin Raschid: Sie - oder zumindest ihre Anwälte - sehen sich vor Gericht

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Am Samstag machte Jordaniens König Abdullah II. einen Tagesausflug nach Abu Dhabi - morgens hin, abends wieder zurück nach Amman. Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi und de facto Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate, empfing den Gast in betont ungezwungener Umgebung in einem einfachen Lokal zum Mittagessen.

Abdullah II. war hinterher voll des Lobes: "Ich fühlte mich wie in meiner eigenen Familie während meines Treffens mit meinem lieben Bruder, seiner Hoheit Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan und seinen Söhnen und Lieben. Ich bete zu Gott, dass er die Freundschaft und Liebe zwischen unseren Bruderländern und -völkern erhält, genauso wie ich es seit Jahren zwischen unseren Familien tue."

Doch die Freundschaft zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Jordanien ist belastet. Der Grund ist die Flucht von Prinzessin Haya bint al-Hussein nach London. Die 45-Jährige ist eine Halbschwester von Jordaniens König Abdullah II. Und sie ist eine von mindestens sechs Ehefrauen des Herrschers von Dubai, Mohammed bin Rashid Al Maktoum. Er ist nach seinem Namensvetter aus Abu Dhabi als Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate der zweitmächtigste Mann des Landes.

Haya ist seit Mai verschwunden. Höchstwahrscheinlich hat sie sich mit ihren zwei Kindern Jalila und Zayed, elf und sieben Jahre alt, in ihr Haus in Kensington Palace Gardens geflüchtet, einer der exklusivsten Adressen Londons. Mehr als umgerechnet 30 Millionen Euro soll sie bei ihrer Flucht mitgenommen haben.

Ein Gedicht wie eine Drohung

Ende Juni veröffentlichte Scheich Mohammed, der für seine Liebe zur klassischen arabischen Nabati-Poesie bekannt ist, ein Gedicht auf seinem Instagram-Account, das offenbar an die geflohene Gattin gerichtet war. Darin geht es um eine namentlich nicht genannte "Verräterin", die ihn belogen habe. Überschrieben ist das Gedicht mit dem Titel "Du lebtest und du starbst". Das kann man auch als Drohung lesen.

An diesem Dienstag beginnt in London eine zweitägige Anhörung zum Fall. "In diesem Verfahren geht es um die Fürsorge für die beiden Kinder aus ihrer Ehe und nicht um eine Scheidung oder Finanzen", teilte das Gericht in der britischen Hauptstadt vorab mit.

Haya erschien persönlich zu dem Termin und beantragte die Vormundschaft für ihre beiden Kinder. Sie gab vor Gericht an, in eine Zwangsehe mit Mohammed gedrängt worden zu sein.

Die Nocheheleute lassen sich jeweils von den prominentesten Anwältinnen für Familienrecht in Großbritannien vertreten. Baroness Fiona Shackleton, Hayas Rechtsbeistand, verhandelte in den Neunzigerjahren im Auftrag der königlichen Familie die Scheidungen der Prinzen Andrew und Charles von ihren Ehefrauen Sarah und Diana. Außerdem vertrat sie Madonna im Scheidungsverfahren mit Guy Ritchie.

Der wiederum setzte auf den anwaltlichen Beistand von Lady Helen Ward. Sie vertritt nun Scheich Mohammed vor Gericht. Zuvor hatte sie unter anderem den Komponisten Andrew Lloyd Webber und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone in deren Scheidungen beigestanden.

Die Scheidung wird für Großbritannien zum Politikum

Prinzessin Haya ist in Großbritannien zur Schule gegangen und hat in Oxford studiert. Es wird erwartet, dass sie beantragen wird, mit den Kindern im Vereinigten Königreich bleiben zu dürfen. Scheich Mohammed dürfte darauf drängen, dass zumindest Tochter und Sohn nach Dubai zurückkehren. Der Fall wird darum auch zu einem Politikum für Großbritannien - schließlich unterhält London enge Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Mehr noch aber zwingt die Affäre um seine Halbschwester Jordaniens Herrscher zu einem Balanceakt. Unabhängig von seiner persönlichen Meinung darf er gegenüber dem Emir von Dubai nicht zu nachsichtig auftreten. Das könnte seinem Ansehen in Jordanien schaden, wo die neureichen Golfmonarchen ohnehin nicht besonders beliebt sind.

Andererseits ist Jordanien auf die Finanzhilfen aus den Emiraten angewiesen. Das Wirtschaftswachstum des Königreichs liegt unter zwei Prozent, die Arbeitslosenquote offiziell bei knapp 20 Prozent. Im vergangenen Jahr haben Saudi-Arabien und die VAE Wirtschaftshilfen in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar gewährt, um das Land zu stabilisieren.

Ohne diese Zahlungen sähe die Lage für die Führung in Amman noch düsterer aus.



insgesamt 31 Beiträge
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Freidenker10 30.07.2019
1.
Schon irre, der Artikel könnte auch aus dem 16. Jahrhundert stammen...
michael_sch17 30.07.2019
2. Besser in London
Wenn man sich in Erinnerung ruft, wie Sheik Mo seine Töchter angabegemäß behandeln ließ, nachdem diese aus seinem Machtbereich geflohen waren und unter Anwendung von Zwang wieder zurück geholt wurden, kann doch kein verantwortungsvoller Richter die entflohene Ehefrau mit den Kindern wieder nach Dubai abschieben. Obwohl, mit dem neuen PM, der Geld und damit verbundene Skrupellosigkeit als Regierungsmaxime ansieht, um seinem neuen besten Freund in Washington zu gefallen zu sein, muss man mit Einflussnahme auf die Richter rechnen.
gipfel 30.07.2019
3.
Der Absolutismus auf der arabischen Halbinsel gehört weg. Es ist schier unerträglich, dass eben dieser Absolutismus mit dem Reichtum aus den Ressourcen gesichert wird, der eigentlich dem Volk gehört.
LuPy2 30.07.2019
4. Es geht um eine Salomonische Lösung:
Sowohl der Noch-Gatte, als auch der Halbbruder dürfen das Gesicht in der Öffentlichkeit verlieren. Mein Vorschlag wäre: Der Sohn kehrt zurück zum Vater, als solcher hat er nichts zu befürchten. Der Bruder rügt seine Halbschwester in aller Öffentlichkeit, gewährleistet ihre Sicherheit. Der Vater verzichtet inoffiziell auf jedwede Repressalien gegen Mutter und Tochter. Diese bleibt bei der Mutter und kann wie ebenso eine Ausbildung in England machen. Dieser Tipp ist kostenlos.
sven2016 30.07.2019
5. @Freidenker10: Genau das habe ich
beim Lesen auch gedacht. Früher hätte Großbritannien ein Kanonenboot geschickt, und man hätte sich für ein paar Jahre beruhigt. Heute wird das eine Geldschlacht ...
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