Heathrow-Drama US-Regierung wusste von Verhör des Greenwald-Partners

"Sie werden bereuen, was sie getan haben": Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald empört sich über das Verhör seines Partners David Miranda in London. Die USA wussten von den Plänen der Briten, streiten aber eine Beteiligung an dem Vorfall ab.
Heathrow-Drama: US-Regierung wusste von Verhör des Greenwald-Partners

Heathrow-Drama: US-Regierung wusste von Verhör des Greenwald-Partners

Foto: Marcelo Piu/ dpa

Washington/London - Auf die Regierung in Washington prasseln am Montag die Fragen der Journalisten ein. Waren die USA an dem Heathrow-Drama um David Miranda beteiligt? Das hat ein Regierungssprecher bei einer Pressekonferenz am Montag verneint. Allerdings wussten die Vereinigten Staaten bereits im Vorfeld, dass die Befragung des brasilianischen Lebensgefährten von Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald in London geplant war, räumte der Sprecher ein.

"Die Vereinigten Staaten sind nicht involviert", sagte er am Montag in Washington. Alle diesbezüglichen Fragen sollten der britischen Regierung gestellt werden, erklärte er. Die Behörden in Großbritannien hätten die USA lediglich darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie vorhaben, Miranda zu befragen, teilte der Sprecher mit: "Das ist eine Entscheidung, die sie allein getroffen haben." Es wurden keine Informationen darüber bekannt, wie lange vorher den USA die britischen Pläne bekannt waren.

Auch auf wiederholte Nachfrage der Journalisten wollte der Sprecher das neunstündige Verhör nicht verurteilen, berichtet die "Washington Post" . Ebenfalls wollte er sich nicht dazu äußern, ob die britischen Behörden die Informationen, die Miranda ihnen gegeben hat, an die USA weitergeleitet haben.

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Enthüllungsjournalist Greenwald: "Sie werden bereuen, was sie getan haben"

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Auch der Druck auf die britische Regierung wächst, weitere Begründungen zu dem Vorfall zu liefern. Scotland Yard rechtfertigt den Zugriff offiziell mit einem Anti-Terrorismus-Gesetz. Doch diese Auskunft stellt die Kritiker des Heathrow-Dramas keinesfalls zufrieden. Am Montag hatte erst ein britischer Parlamentarier von den Sicherheitsbehörden konkrete Auskünfte darüber angefragt.

Nun zeigt sich die brasilianische Regierung empört und erklärt ihre "tiefe Beunruhigung" über den Vorgang. Miranda sei ohne jede Kontaktmöglichkeit nach außen festgehalten worden. Der brasilianische Außenminister Antonio Patriota kündigte an, er werde mit seinem britischen Kollegen William Hague über die neunstündige Festsetzung David Mirandas in Heathrow sprechen.

Greenwald will nun "weitaus aggressiver" schreiben

Fast neun Stunden lang war der Partner des "Guardian"-Enthüllungsjournalisten Greenwald am Sonntag auf dem Londoner Flughafen Heathrow befragt worden. Im Anschluss an das Verhör hatten die Sicherheitsbehörden den Brasilianer wieder freigelassen, der sich auf dem Weg von Berlin nach Rio de Janeiro befunden hatte.

Der 28-Jährige lebt mit dem Journalisten Greenwald in Brasilien und traf diesen nach seiner Freilassung am Montag in Rio de Janeiro am Flughafen. Greenwald hatte die Enthüllung der NSA-Spähaffäre zusammen mit Whistleblower Edward Snowden vorangetrieben. Durch seine Veröffentlichungen war auch die Arbeit der britischen Geheimdienste in die Kritik geraten.

Hinter der Aktion gegen Miranda vermutet Greenwald nun eine mögliche Vergeltungsaktion. Zum Schweigen bringen lassen will er sich aber nicht. Ganz im Gegenteil: Am Montag gab der "Guardian"-Reporter bekannt, er werde künftig "weitaus aggressiver" über Spähprogramme von Regierungen schreiben als bislang. Er kündigte auch neue Enthüllungen über die britischen Geheimdienste an: "Ich habe Dokumente über Englands Spionagesystem, und mein Fokus wird sich nun auch darauf richten. Ich denke, sie werden bereuen, was sie getan haben."

Greenwald schrieb auf der Internetseite des "Guardian", sein Lebensgefährte sei ausschließlich zur Berichterstattung der Zeitung über die NSA-Aktivitäten befragt worden. Die Beamten hätten "keinerlei Verdacht" gegen Miranda wegen eventueller Terrorverbindungen gehegt. Somit habe die Polizei die Anti-Terror-Gesetze missbraucht.

bos/dpa/Reuters