Konflikt nach Gabriel-Äußerung Deutschland und Saudi-Arabien beenden diplomatische Krise

Eine Äußerung des Ex-Außenministers Sigmar Gabriel hat die Beziehung zwischen Saudi-Arabien und Deutschland belastet. Laut seinem Nachfolger Heiko Maas ist das "Missverständnis" nun geklärt.

Heiko Maas
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Heiko Maas


Deutschland und Saudi-Arabien haben ihre diplomatische Krise nach zehn Monaten beigelegt. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und sein saudi-arabischer Amtskollege Adel al-Dschubair verständigten sich bei einem Gespräch am Rande der Uno-Vollversammlung in New York darauf, dass der im November 2017 abgezogene saudi-arabische Botschafter nach Deutschland zurückkehrt.

Ursache der diplomatischen Spannungen war eine Äußerung des ehemaligen Außenministers Sigmar Gabriel (SPD) gewesen. Er hatte Saudi-Arabien im vergangenen November "Abenteurertum" im Nahen Osten vorgeworfen. Saudi-Arabien hatte daraufhin verärgert seinen Botschafter abgezogen und eine Entschuldigung der Bundesregierung gefordert. Zudem bekam der neue für Riadvorgesehene deutsche Botschafter zuletzt keine Akkreditierung.

Maas sagte nun: "Wir hätten klarer in unserer Kommunikation und in unserem Engagement sein sollen, um solche Missverständnisse zwischen Deutschland und dem Königreich zu vermeiden."

Maas plant Reise nach Saudi-Arabien

Von deutscher Seite hieß es, dass sowohl die Akkreditierung als auch die Rückkehr des saudi-arabischen Botschafters nun für die nächsten Wochen erwartet werde. Maas plant zudem eine baldige Reise nach Saudi-Arabien.

Die diplomatische Krise hatte auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern massiv belastet. Deutsche Unternehmen klagten zuletzt zunehmend über ausbleibende Aufträge.

kmy/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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alois.busch 26.09.2018
1. Menschenrechte ade
Menschenrechte, freie Meinungsäußerung, Aufteilung der Staatsgewalten, ... Dies alles Spielt keine Rolle, wenn nur genug Geld zu verdienen ist.
ackermart 26.09.2018
2. Rein logisch ...
ist es eigentlich nicht, wenn man ein Missverständnis dadurch klären kann dass man es feststellt. Man stelle sich das für den Fall einer Botschaft (diplomatischen Adresse) vor, falsch gerechnet zu haben - etwa mit Zustimmung. Wenn man dann seinerseits von einem Missverständnis diesbezüglich später spricht, muss man damit rechnen dass die andere Seit schon zuvor richtig gerechnet zu haben glaubt - mit Zustimmung. Zum Glück aber muss man - in Logik der Diplomatie ja - nicht wirklich rechnen. Dass man auf dem Felde der Diplomatie dann auch nicht mit Logikern rechnen muss, wäre aber zumindest sehr undiplomatisch gesagt. So ist es denn auch erst, seit die Diplomatie öffentlich betrieben wird um sich ganz offen gegen gemeinsame Feinde zu verbünden, denen man die eigentliche Botschaft sendet. Danach kommt es dann meist zum die Antwort kriegen mit ...Kriegen. Das kriegen besonders undiplomatische Diplomaten meist erst hinterher mit, können dann aber immer auch noch von Missverständnissen sprechen, die historisch unausweichlich waren - weil man ja klare Standpunkte hatte, die man bereits innenpolitisch ebenso undiplomatisch wie unmissverständlich vertrat. Ergo schließen sich Diplomatie und Verständlichkeit eigentlich aus, logisch, wie bereits am Anfang schon undiplomatisch dem gesagt, der mit Missverständnisbekundungen diplomatisch zu sein glaubt, statt sich unlogisch damit zu wissen.
janfred 26.09.2018
3. Vorurteile, Intoleranz und Ignoranz...
lassen sich durch Diplomatie nicht aus der Welt schaffen. Das deutsche Firmen in den letzten Jahren in SA weniger Geld umgesetzt haben, hat in erster Linie mit der allgemein rückläufigen Entwicklung durch Kürzungen bei Investitionen zu tun. Sozusagen noch die Nachwirkungen des Ölpreisverfalls. Deutsche Firmen sind hier seit Jahren eigentlich nicht viel mehr als „Unterlieferanten“. Grossprojekte werden von koreanischen und chinesischen Firmen abgewickelt. Wenn europäische Firmen bei Milliardenaufträgen noch zum Zuge kommen, dann sind es spanische, italienische oder türkische Firmen. Ich bin seit sehr vielen Jahren in SA und den Golfländern. Natürlich waren die diplomatischen Beziehungen auf einem Tiefpunkt. Nicht nur wegen der Aussagen von Gabriel. Es scheint halt die Meinung des Großteils der deutschen Bevölkerung widerzuspiegeln, alles an SA schlechtzureden. Positive Entwicklungen zu ignorieren, Partei zu ergreifen für alles was gegen SA ist. Wie z.B. im Yemen Konflikt auf der Seite der vom Iran unterstützten Houthi Rebellen zu stehen und das Eingreifen und die Hilfe der Saudis als Kriegsverbrechen zu bezeichnen. Es ist für mich beschämend, wie sich die deutschen immer als tolerant hinstellen. Wenn es um Saudi Arabien geht wird allerdings eine gesamte Nation, die gesamte Kultur, schlechtgeredet. Es wundert mich immer wieder, dass der größte Teil der Leute hier immer noch so absolut pro-deutsch eingestellt sind.
gewi1 26.09.2018
4. Das wird sich rächen.
Der Grund für die Beilegung des "Missverständnisses" wird im letzten Satz genannt. Die Industrie freut es, die SPD fällt noch tiefer.
Kurt2.1 26.09.2018
5. #1
Zitat von alois.buschMenschenrechte, freie Meinungsäußerung, Aufteilung der Staatsgewalten, ... Dies alles Spielt keine Rolle, wenn nur genug Geld zu verdienen ist.
Natürlich spielt es eine Rolle, schließt aber Geschäfte nicht aus. Und natürlich muss Geld verdient werden. Würden wir nur mit den vollkommenen Staaten (wie wir selbst einer sind, seufz) Handel treiben, würden nicht nur etliche Geldschiebereinen hier im Land nicht stattfinden, sondern auch der H4-Satz wäre im Keller und die Pflegeversicherung würde nur für einen Trostanruf bei den Betroffenen reichen. Mir ist es entschieden lieber so, als einen Gewissens, was auch nicht sicher ist, am Hungertuch zu nagen.
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