Außenminister Maas "Können uns auf das Weiße Haus nicht mehr uneingeschränkt verlassen"

Vor dem Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin kritisieren europäische Außenminister den US-Präsidenten für seine jüngsten Äußerungen. Heiko Maas fordert eine Neuvermessung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses.
Außenminister Heiko Maas (Archivbild)

Außenminister Heiko Maas (Archivbild)

Foto: Sina Schuldt/ dpa

Die Welt blickt nach Helsinki: Mit Spannung wird das erste Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in der finnischen Hauptstadt erwartet. Schon vor dem Treffen richtete der deutsche Außenminister Heiko Maas kritische Worte in Richtung Washington: "Wir können uns auf das Weiße Haus nicht mehr uneingeschränkt verlassen", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" .

Hintergrund sind die jüngsten Attacken Trumps in Richtung Europäische Union. Der US-Präsident hatte die EU in einem Interview kürzlich als "Gegner" bezeichnet . Laut Maas zeigt die Äußerung des Präsidenten "leider einmal mehr, wie breit der politische Atlantik geworden ist, seit Donald Trump im Amt ist".

Auch Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn zeigte sich irritiert darüber, wie unberechenbar Trump sei: "Es kann ja nicht sein, dass auf einmal die Chinesen und die Russen Konkurrenten sind und dass wir Feinde sind in Europa", sagte Asselborn beim Treffen mit seinen EU-Kollegen. "Da tickt etwas nicht ganz - sagen wir mal - in den Normen." Er hoffe, dass die frische Luft beim Golfspielen in Schottland Trump geholfen habe, "in den Kategorien Feind und nicht Feind etwas klarer zu sehen".

Die Skepsis gegenüber Washington ist nicht neu. Kanzlerin Angela Merkel hatte sich im vergangenen Jahr bei einem Auftritt in einem Münchner Bierzelt deutlich von US-Präsident Trump abgegrenzt. "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt", sagte sie damals mit Bezug auf die USA.

Maas: "Es geht hier nicht um den steilsten Tweet"

Trumps Unberechenbarkeit wird auch vor dem Treffen mit Putin gefürchtet. Die Präsidenten treffen sich unter anderem zu einem Vieraugengespräch. Ohne Mitarbeiter, vielleicht sogar ohne Dolmetscher und wohl auf Wunsch von Trump (Lesen Sie hier, welche Themen bei dem Treffen wichtig werden.) Noch vor dem Treffen machte der US-Präsident in einem Tweet seinen Vorgänger Barack Obama für das schlechte Verhältnis zu Russland verantwortlich.

Dass Trump und Putin sich überhaupt treffen, begrüßt die Bundesregierung allerdings. Es sei wichtig, dass beide miteinander redeten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert und verwies auf die Krisenherde von der Ukraine bis Syrien. Zu den Differenzen mit Trump sagte er, Kanzlerin Angela Merkel sei auch heute noch eine überzeugte Transatlantikerin. "Daran hat sich nichts geändert, auch wenn wir starke Meinungsverschiedenheiten haben."

Ungeachtet der Ergebnisse aus Finnland rief Außenminister Maas die EU zur Geschlossenheit auf. Um die Partnerschaft mit den USA zu bewahren, müsse sie neu justiert werden, sagte der SPD-Politiker. Das gehe nur mit einem "selbstbewussten und souveränen Europa". Der Kontinent dürfe sich nicht spalten lassen, sondern müsse sich enger zusammenschließen, auch wenn die Tweets des US-Präsidenten "absurd" und die verbalen Angriffe scharf seien.

Dem SPIEGEL hatte Maas zu Trumps Verbalattacken auf dem Brüsseler Nato-Gipfel gesagt, der US-Präsident gefährde die westliche Sicherheitsarchitektur. "Es geht hier nicht um den steilsten Tweet oder die höchsten Einschaltquoten, sondern um unsere gemeinsame Sicherheit", sagte Maas. "Europa kann es nicht hinnehmen, dass das, was über viele Jahrzehnte aufgebaut wurde, aus Lust an der Provokation mutwillig beschädigt wird."

cht/aev/dpa/AFP
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