Vereinte Nationen Außenminister Maas versucht, eine Anti-Trump-Allianz zu schmieden

Gegen Trumps mutwillige Außenpolitik will Außenminister Heiko Maas eine Koalition der Gutwilligen stellen. Nach einer Woche bei den Vereinten Nationen in New York wird klar: Das ist leichter gesagt als getan.
Heiko Maas bei der Uno

Heiko Maas bei der Uno

Foto: Richard Drew/ AP

Es sollte ein symbolisches Treffen werden. Für Donnerstagmorgen hatte Heiko Maas seine Amtskollegen aus Kanada und Japan, Freeland und Kono Taro, zu einem Frühstück in den 23. Stock der Vertretung der Bundesrepublik in Manhattan eingeladen. Vom "Deutschen Haus" blickt man auf die Zentrale der Vereinten Nationen, schräg gegenüber ragt der dunkle "Trump World Tower" in die Höhe. Bei dem Dreier-Frühstück wollte Maas die nächste Stufe der "Allianz der Multilateralisten" zünden - jener Koalition der Gutwilligen, mit der Maas die negativen Folgen von Donald Trumps mutwilliger Außenpolitik eindämmen will.

Wie wenig sich der US-Präsident um internationale Verträge und langjährige Verbündete schert, hatte er schon am ersten Tag der Uno-Generalversammlung erneut unter Beweis gestellt. "Wir lehnen die Ideologie der Globalisierung ab und begrüßen die Doktrin des Patriotismus", sagte Trump. Seine neue Weltordnung sieht so aus: Israel, Saudi-Arabien und Nordkorea zählt er zu seinen Verbündeten, als Gegner betrachtet er Iran, Kanada und Deutschland. Trump ging Berlin frontal an, Deutschland mache sich durch die Nordstream-II-Pipeline "vollkommen abhängig" von Russland, ätzte der US-Präsident.

Das Duo Maas-Freeland - eine neue Anti-Trump-Allianz?

Während Trump die ganze Woche über traditionelle Freunde und Verbündete verprellte, versuchte Maas, eine Art Gegenöffentlichkeit zu organisieren. Doch das war leichter gesagt als getan: Japans Außenminister musste das Dreier-Frühstück in der deutschen Vertretung kurzfristig absagen, weil er im Stau steckte. Und so besteht die Allianz der Multilateralisten auch am Ende der Uno-Woche aus nicht viel mehr als dem Duo Maas-Freeland.

Die allerdings scheinen sich prächtig zu verstehen. Als Freeland am Mittwochnachmittag bei einer Konferenz zur Stärkung der Frauen eine Rede halten wollte, war auf der Bühne nichts vorbereitet. Maas eilte ihr kurzerhand zu Hilfe, organisierte Rednerpult und Mikrofon (siehe Video).

DER SPIEGEL

Die Kanadierin revanchierte sich mit einem Kompliment: "In dieser Woche haben wir einige sehr robuste Angriffe gegen den Mulilateralismus und internationale Organisationen erlebt", sagte Freeland mit Blick auf Trump. "Ich möchte die wirklich starke Stimme anerkennen, die wir von Deutschland hören und von Dir persönlich, Heiko."

Solche Beteuerungen klingen ein wenig wie Selbsthypnose. Von einer durchschlagenden Wirkung jedenfalls ist die Anti-Trump-Allianz weit entfernt. Das beginnt beim sperrigen Titel "Allianz der Multilateralisten" und endet bei den unterschiedlichen Interessen der potenziellen Bündnispartner. Selbst Kanada scheut wegen der wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Nachbarn im Süden die offene Konfrontation mit Trump.

Und auch Maas gibt sich seltsam zurückhaltend, wann immer er zur US-Administration gefragt wird. Es handele sich nicht um eine Anti-Trump-Allianz, betont er. Es gehe um ein Netzwerk, das allen offen stehe, die an der "regelbasierten internationalen Ordnung" festhalten wollten. Als er am Freitagnachmittag New Yorker Zeit endlich seine Rede halten darf, nennt er weder Trump noch die USA beim Namen. Attacke geht anders.

Maas: Deutschland müsse mehr Verantwortung übernehmen

Dabei gibt der Außenminister zu, wie groß die Erwartungen vieler Staatenvertreter an Deutschland sind. Man könne nicht immer davon reden, mehr Verantwortung zu übernehmen, man müsse es auch tun, sagt Maas. "Dem wollen wir jetzt auch gerecht werden."

Die Erwartungen werden noch größer, wenn Deutschland ab Januar für zwei Jahre im Uno-Sicherheitsrat sitzt. Maas Idee ist, auch dort Werte wie Kooperation und Verlässlichkeit zu leben und den Alleingängen der USA und Russlands entgegenzusetzen. So haben die insgesamt fünf europäischen Sicherheitsratsmitglieder verabredet, nach außen gemeinsam aufzutreten und möglichst mit einer Stimme zu sprechen. Ob die Veto-Macht Frankreich mit ihrem selbstbewussten Präsidenten Emmanuel Macron dazu bereit ist, muss sich allerdings noch zeigen.

Immerhin, eine scharfe Waffe gegen Trumps Außenpolitik des maximalen Drucks haben die Europäer gemeinsam geschmiedet. Anfang der Woche beschlossen sie, eine Zweckgesellschaft ins Leben zu rufen, die Geschäfte zwischen europäischen und iranischen Firmen abwickeln soll. Damit sollen die neuen US-Sanktionen umgangen werden, die Trump nach dem Ausstieg aus dem Atom-Abkommen anordnete. Das Treffen fand allerdings ohne Maas statt - wegen der Maaßen-Krise wollte er am Montagabend nicht die Sitzung der SPD-Fraktion versäumen und landete zu spät in New York.

Manchmal wirkt es, als habe Maas ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt noch nicht so richtig in seinem neuen Amt Tritt gefasst. Da steht er am Donnerstagnachmittag im Rosengarten der Vereinten Nationen am East River und staunt wie ein kleiner Junge über das, was er gerade in New York erlebt. "Aufregend" sei es, bei der Uno in New York zu sein, sagt er. "Man hat so das Gefühl, hier trifft sich die Welt."

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