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23. April 2019, 00:25 Uhr

Gastbeitrag in der "Washington Post"

Heiko Maas und Angelina Jolie kämpfen gegen sexuelle Gewalt

In vielen Teilen der Welt wird sexuelle Gewalt als Kriegs- und Terrortaktik eingesetzt. Am Montag leitet Außenminister Maas den Uno-Sicherheitsrat. Kurz zuvor verfasste er mit Uno-Botschafterin Angelina Jolie ein gemeinsames Statement.

Außenminister Heiko Maas und die US-Schauspielerin Angelina Jolie haben in einem gemeinsamen Beitrag gegen sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten aufgerufen. Am Dienstag leitet Maas im Uno-Sicherheitsrat in New York eine Debatte zu diesem Thema.

Es habe in den vergangenen Jahrzehnten zwar Bemühungen gegeben, Kriegsverbrecher zur Verantwortung zu ziehen, schreiben Maas und Jolie in dem Brief, der in der "Washington Post" veröffentlicht wurde. Gleichermaßen könne man jedoch beobachten, dass internationale Gesetze von einer steigenden Intoleranz und einem geschwächten Einsatz für Menschenrechte behindert würden.

Insbesondere Frauenrechte seien in Gefahr - diesen würde in manchen Teilen der Erde mit offener Feindseligkeit begegnet. "Nirgends kann man diesen Rückgang (an Frauenrechten) so deutlich sehen wie in Kriegsgebieten und in Post-Konflikt-Situationen", heißt es in dem Schreiben. Vergewaltigungen und andere Formen sexueller Gewalt würden weltweit in Konflikten als Kriegs- und Terrortaktik genutzt. Es gebe zwar schon einzelne Fälle, in denen die Taten verfolgt würden. "Doch Straffreiheit ist immer noch die Norm", schreiben Maas und Jolie.

Die Straflosigkeit habe verheerende Folgen: Der kongolesische Arzt und Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege etwa habe in seiner Klinik im Kongo drei Generationen vergewaltigter Frauen behandelt: Mutter, Tochter und Enkel im Kleinkindalter. "Wir haben beide Überlebende in Ländern wie Irak, Bosnien und Sierra Leone getroffen, die uns angefleht haben, etwas dagegen zu tun, dass sexueller Missbrauch in ihren Ländern nicht als Straftat geahndet wird", heißt es in dem Beitrag. "Das führt dazu, dass sexuelle Gewalt weitverbreitet ist."

Maas will Resolution präsentieren

Jolie und Maas wollen die Ermittlungsmöglichkeiten für diese Straftaten verbessern und die Einhaltung internationaler Normen, etwa von Uno-Resolutionen, stärken. Außerdem müssten Opfer besser unterstützt werden.

Ein Ansatz müsse dabei sein, auch Überlebende zu berücksichtigen, die sonst oft aus dem Fokus geraten: Jungen oder Männer und Kinder, die aus einer Vergewaltigung entstanden sind. Sie schreiben: "Alle Opfer verdienen einen vollen Zugang zu Gerechtigkeit, Kompensation und finanzieller Unterstützung, um ein würdevolles Leben zu leben und dazu fähig zu sein, eine Rolle dabei zu spielen, die Gesellschaft zu ändern."

Deutschland hat seit dem 1. April erstmals seit fast sieben Jahren für einen Monat den Vorsitz im mächtigsten Uno-Gremium. Maas will das am Dienstag dazu nutzen, eine Resolution zum Thema sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten zu präsentieren, die sich mit den in dem Brief genannten Punkten beschäftigt.

Die 43-jährige Jolie kämpft seit Jahren gegen sexuelle Gewalt in Krisengebieten und arbeitete dazu auch mit dem früheren britischen Außenminister William Hague zusammen. Für die Uno-Flüchtlingsorganisation UNHCR ist sie seit vielen Jahren tätig und wurde 2012 zur Sonderbotschafterin ernannt.

kry/dpa

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