Maas zu Streit mit Iran "Es geht darum, Krieg zu verhindern"

Iran hält in der Straße von Hormus ein britisches Schiff fest. Der deutsche Außenminister Heiko Maas sorgt sich vor einer weiteren Eskalation des Konflikts. Die hätte "nur Verlierer".

Festgesetzt: Der Öltanker "Stena Impero" im Hafen von Bandar Abbas
Uncredited/Tasnim News Agency/AP/DPA

Festgesetzt: Der Öltanker "Stena Impero" im Hafen von Bandar Abbas


Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat vor einer Eskalation des Streits zwischen Iran und Großbritannien und seinen Verbündeten gewarnt. "Es geht darum, Krieg zu verhindern", sagte Maas der "Bild am Sonntag". "Darauf sind alle Bemühungen mit den europäischen Partnern und den Staaten der Region gerichtet."

Iran hatte am Freitag im persischen Golf den Öltanker "Stena Impero" festgesetzt. Dieser fuhr unter britischer Flagge in der Straße von Hormus. Der Tanker soll laut Iran internationale Vorschriften nicht beachtet haben.

Großbritannien wirft Teheran wiederum vor, gegen internationale Gesetze verstoßen zu haben. Die Festsetzung des Schiffs sei eine Reaktion auf einen Vorfall im britischen Gibraltar: Dort wird seit Anfang Juli ein Supertanker mit Öl aus Iran festgehalten. Die Lieferung war aus Sicht der Briten für Syrien bestimmt und verstoße gegen EU-Sanktionen. Das Schiff darf mindestens bis Mitte August nicht auslaufen. Iran hat mit Konsequenzen gedroht.

Die Bundesregierung hatte Iran aufgefordert, den britischen Tanker "unverzüglich" freizugeben. Großbritannien drohte im anderen Fall mit "ernsten Konsequenzen". Maas sagte der "Bild am Sonntag", nach den vergangenen 48 Stunden sei "die Situation am Golf noch ernster und gefährlicher geworden, als sie ohnehin schon war". Der Außenminister sagte weiter: "Bei einer möglicherweise unkontrollierbaren militärischen Eskalation gäbe es keine Gewinner, nur Verlierer."

Im Falle eines Krieges seien der gesamte Nahe und Mittlere Osten betoffen. Viele Menschen würden fliehen, auch nach Europa. Maas appellierte an die Führung in Iran: "Gerade in Teheran muss man jetzt seiner Verantwortung gerecht werden und nicht weiter an der Eskalationsspirale drehen." Es komme auf die "Stimmen der Vernunft" an. Dazu brauche es "kluge Diplomatie, die Gesprächskanäle offenhält, Wege zur Vertrauensbildung findet und Spannungen abbaut - auch wenn es mühselig erscheint, gerade dann."

Außenminister Irans und Großbritanniens telefonieren

Am Samstagabend hatten die Außenminister des Irans und Großbritanniens, Mohammed Dschawad Sarif und Jeremy Hunt, miteinander telefoniert. Hunt brachte bei dem Gespräch nach eigenen Angaben seine "tiefe Enttäuschung" über die Situation zum Ausdruck. Teheran betreibe keine Deeskalation, schrieb Hunt bei Twitter. "Die britische Schifffahrt muss und wird geschützt werden."

Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna teilte mit, Sarif habe bei dem Telefongespräch juristische Schritte gegen den beschlagnahmten Öltanker "Stena Impero" ins Spiel gebracht. "Der Stopp des britischen Tankers erfolgte wegen maritimer Verstöße und auf Wunsch der hiesigen Hafenbehörden", sagte Sarif den Angaben zufolge. Die Festsetzung sei daher legitim gewesen. Trotzdem solle der Vorfall nicht zu Spannungen zwischen den beiden Ländern und einer Eskalation der Krise am Persischen Golf führen.

Die betroffene Region im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Ein großer Teil des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Britische Experten befürchten, dass wegen der Vorfälle die Ölpreise deutlich steigen könnten.

kko/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.