Heiligabend Arafat darf nicht nach Betlehem

Seit fast zwölf Monaten befindet sich Palästinenserpräsident Jassir Arafat unter faktischem Hausarrest in seinem Amtsgebäude in Ramallah. Auch in diesem Jahr will die israelische Regierung Arafat an Heiligabend nicht zur Christmesse nach Betlehem reisen lassen.


Jassir Arafat: "Gefangener" in Ramallah
AP

Jassir Arafat: "Gefangener" in Ramallah

Tel Aviv/Ramallah - Arafat solle in Ramallah bleiben; die Messe in Betlehem sei dazu da, um für Frieden zu beten, und Arafat sei kein Mann des Friedens, sagte Raanan Gissin, ein Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon. Arafat unternehme immer noch nicht genug, um "den Terror zu stoppen". "Er bleibt, wo er ist", betonte Gissin.

Kurz zuvor hatte Arafat der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, er versuche am Heiligen Abend von Ramallah aus nach Betlehem zu gelangen: "Es ist meine Pflicht, dort zu sein." Seit Betlehem 1995 unter palästinensische Verwaltung gestellt wurde, hatte der mit einer Christin verheiratete Muslim Arafat regelmäßig an der Christmesse im Geburtsort Jesu teilgenommen.

Neuwahlen in Gefahr

Arafat kündigte heute an, dass die für den 20. Januar geplanten palästinensischen Wahlen mit größter Wahrscheinlichkeit verschoben werden müssten. "Bisher gibt es keine Veränderung des Datums, aber wenn israelische Panzer und Truppen die palästinensischen Städte weiter besetzt halten, könnten wir zur Verschiebung gezwungen sein", sagte Arafat in Ramallah. Nach Arafats Angaben brauchen die Palästinenser mindestens 90 Tage, um die Wahlen vorzubereiten. Für einen Abzug der israelischen Truppen gibt es jedoch bislang keinerlei Hinweise.

Bei den Wahlen kann Arafat Meinungsumfragen zufolge mit einem Sieg rechnen. Im Sommer hatte die palästinensische Führung Neuwahlen für das Parlament und das Präsidentenamt beschlossen. Nach Ansicht der USA und der internationalen Gemeinschaft stellt der Urnengang einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Reform der Palästinenser-Regierung und zur Schaffung eines eigenen Staates dar.



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