Heilslehre Vatikan-Papier löst heftige Proteste aus

Die katholische Kirche ist allen anderen Religionen überlegen, und nur sie bringt den Gläubigen die Erlösung. Diese These wenigstens hat der Vatikan jetzt schwarz auf weiß vorgelegt - und damit für internationalen Unmut gesorgt.

Vatikan-Stadt - In einem 36-seitigen Dokument zur Heilslehre der römisch-katholischen Kirche wiederholte der Vatikan die Lehrmeinung, dass Nicht-Christen in Bezug auf die Erlösung in einer "sehr defizitären Situation" seien. Außerdem hätten die anderen christlichen Kirchen "Fehler", teilweise weil sie die Vorrangstellung des Papstes nicht akzeptierten.

Das Dokument löste internationale Proteste aus. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, sprach von einem "Rückschlag für das Ökumenische Miteinander". "Die Zeichen in Rom stehen auf Stillstand", sagte Kock in Hannover. Stellvertretend für die anglikanische Kirche kritisierte der Erzbischof von Canterbury, George Carey, das Dokument vernachlässige drei Jahrzehnte des ökumenischen Dialogs.

Das Dokument sei "eine Kriegserklärung gegen die Kirchen der Reformation", sagte der Sprecher der katholischen KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner, in Hannover. Die Laienbewegung forderte die Deutsche Bischofskonferenz auf, dem Vatikan deutlich zu machen, dass dies nicht vertretbar sei. Der Alleinvertretungsanspruch auf die Nachfolge Christi zeuge von einem gestörten Selbstbewusstsein Roms.

Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls stellte klar, Rom setze den Weg des Dialogs fort. "Der Heilige Stuhl verändert seinen Kurs in den Beziehungen zu den anderen christlichen Konfessionen nicht." Das Dokument richtet sich in erster Linie an katholische Theologen. Allerdings ist es auch dazu bestimmt, einen Dialog auf allen Ebenen mit anderen Kirchen und mit Nicht-Christen in Gang zu bringen. Das Papier wurde von der Glaubenskongregation vorbereitet und von Papst Johannes Paul II. abgesegnet. Auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Dokuments sagte Kardinal Joseph Ratzinger, der die Glaubenskongregation leitet, dass einige Theologen "manipulieren und die Grenzen der Toleranz überschreiten", wenn sie alle Religionen auf dieselbe Ebene stellen.

Die Klarstellung der offiziellen katholischen Position ist nach Ansicht des Vatikans nötig, um "relativistische Theorien" zu bekämpfen. Diese strebten danach, "religiösen Pluralismus" zu rechtfertigen. In dem Dokument heißt es weiter, dass nur die Offenbarung Jesu Christi "eindeutig und vollständig" sei. Zu behaupten, dass die christliche Heilslehre eine Ergänzung zu derjenigen anderer Religionen darstelle, stehe im Gegensatz zum Glauben der katholischen Kirche.

In einem theologischen Balanceakt schreibt der Vatikan in dem Papier, dass die "Kirche Christi" heute auch in anderen christlichen Kirchen präsent sei. Allerdings lebe sie aus Sicht des Vatikans vollständig in der römisch-katholischen Kirche weiter, weil der Papst der Nachfolger von Petrus sei, den Jesus als ersten Pfarrer auf der Erde bestimmt habe. Die Vorrangstellung des Papstes sei gottgewollt.

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