Heimliche Abschiedstour Bush überraschend in Bagdad

Er führte Krieg gegen den Irak, er ließ Saddam Hussein aus dem Amt jagen - nun besucht US-Präsident Bush zum letzten Mal das Land, bevor er im Januar die Amtsgeschäfte abgibt. Bei seiner Visite in Bagdad will er US-Truppen und Politiker treffen.


Bagdad - Es sollte seine letzte Reise als US-Präsident in das Krisengebiet sein, und sie wurde streng geheim gehalten. Am Sonntagnachmittag, kurz nach 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit, jagten dann die ersten Eilmeldungen um die Welt: George W. Bush ist in Bagdad gelandet.

US-Präsident Bush vor dem Abflug in den Irak: Symbolische Geste
REUTERS

US-Präsident Bush vor dem Abflug in den Irak: Symbolische Geste

Es wird der letzte Aufenthalt in seiner Funktion als höchster Repräsentant seines Landes sein. Ein Abschiedsbesuch, denn am 20. Januar wird er sein Amt an den demokratischen Nachfolger Barack Obama abgeben. Drei Mal war Bush seit dem Beginn des zweiten Irakriegs 2003 im Land gewesen, zuletzt 2007. Damals beschränkte sich seine Visite auf einige Stunden nach einer Zwischenlandung in der Anbar-Provinz. Kurz darauf ging es für ihn und seine Entourage weiter zur Apec-Konferenz in Australien.

Diesmal ist es, hochsymbolisch, die Hauptstadt des Landes. Offenbar will der scheidende US-Präsident, der den Krieg gegen den Irak startete, ein Zeichen setzen: Auch ein George W. Bush kann das immer noch fast täglich von Terrorangriffen erschütterte Land jederzeit aufsuchen.

Umgehend teilte das Präsidialamt in Washington mit, Bush wolle irakische Spitzenpolitiker treffen und sich bei den US-Truppen für ihren Einsatz in dem Golfstaat bedanken.

Mit einem Helikopter flog Bush zunächst vom internationalen Flughafen zum Sitz des irakischen Präsidenten, wo er neben Amtsinhaber Jalal Talabani auch dessen beide Vizes treffen wollte. Später will er Ministerpräsident Nuri al-Maliki sprechen, anschließend sich bei US-Truppen für ihren Einsatz bedanken.

Bushs Visite, elf Tage vor Weihnachten, soll vor allem das jüngste Abzugsabkommen würdigen. Sein nationaler Sicherheitsberater Stephen Hadley erklärte am Sonntag, dies sei eine bemerkenswerte Übereinkunft in der arabischen Welt, weil es öffentlich debattiert, diskutiert und schließlich von einem gewählten Parlament angenommen worden sei.

Die Reise zeige, dass beide Staaten in eine veränderte Beziehung eintreten würden - mit Irakern, die größere Souveränität ausübten "und wir in einer im stärkeren Maße untergeordneten Rolle", so Hadley.

Erst im November war nach fast einem Jahr intensiver Verhandlungen zwischen der amerikanischen und irakischen Regierung das Abkommen verabschiedet worden. Das Ziel: Ein vollständiger Abzug der US-Trupen bis zum 31. Dezember 2011. Die Regierung Bush hatte sich lange gegen einen konkreten Termin gewehrt. Die USA haben derzeit rund 140.000 Soldaten im Irak stationiert. Der designierte Präsident Barack Obama hatte angekündigt, die Truppen binnen 16 Monaten nach seinem Amtsantritt im Januar nach Hause zu holen.

Ein deutlicher Rückgang der Gewalt in den vergangenen Monaten hatte die irakische Regierung zuversichtlich gestimmt, selbst für Sicherheit sorgen zu können.

Trotz der verhalten positiven Meldungen über den Rückgang der Gewalt aus dem Lande selbst, sorgen Bushs Krieg und dessen Folgen im Irak weiter für heftige Diskussionen in den USA. Die "New York Times" enthüllte dieser Tage einen US-Regierungsbericht über die Kosten des Wiederaufbaus. Die bislang rund 117 Milliarden Dollar, so das Fazit, seien weitgehend verpufft, zudem hätte das Verteidigungsministerium Erfolge schlichtweg überhöht.

sev/Reuters/AFP



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