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18. Mai 2019, 12:27 Uhr

Video-Affäre in Österreich

Strache tritt als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurück

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zieht Konsequenzen aus der Ibiza-Affäre. Seine auf dem heimlich gefilmten Video dokumentierten Äußerungen seien "peinlich", er habe sich aber nichts zuschulden kommen lassen. Trotzdem habe er Bundeskanzler Kurz seinen Rücktritt angeboten.

Österreichs Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat sich erstmals öffentlich zur Ibiza-Affäre geäußert - er sprach von einem gezielten "politischen Attentat", dem er und sein Parteifreund Johann Gudenus zum Opfer gefallen seien.

Strache hat, wie er bei einer Pressekonferenz am Samstagmittag sagte, Bundeskanzler Sebastian Kurz seinen Rücktritt angeboten, den dieser auch annehmen werde. Auch von seinem Amt als Parteichef sei er zurückgetreten, so Strache.

Er reagiert damit auf eine Enthüllung des SPIEGEL und der "Süddeutschen Zeitung", die am Freitag brisante Videoaufnahmen veröffentlichten. Diese zeigen, wie Strache 2017 einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte für Wahlkampfhilfe unter anderem öffentliche Aufträge in Aussicht stellte, sollte die FPÖ an die Regierung kommen. Das Video entstand wenige Monate vor der Nationalratswahl 2017. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte.)

Strache wittert Komplott

In seinem mehrminütigen Statement entschuldigte sich Strache für sein "betrunkenes Macho-Gehabe" auf Ibiza. "Ich habe mich prahlerisch wie ein Teenager verhalten."

Wiederholt wies Strache darauf hin, dass er bei dem insgesamt sieben Stunden dauernden Treffen mit der angeblichen russischen Oligarchen-Nichte unter Alkoholeinfluss gestanden habe. "Nüchtern gesehen" sei ihm dies nun "ausgesprochen peinlich".

Zugleich kritisierte er die heimlichen Videoaufnahmen. Es habe sich um eine "Auftragsarbeit" gehandelt. "Das war ein gezieltes politisches Attentat", sagte Strache, der damit zum Gegenangriff übergeht. Er sehe hinter der Berichterstattung ein Komplott, das, wie er sagte, "an Niederträchtigkeit nicht zu übertreffen" sei.

Er verlangte die Herausgabe des Videos und erklärte zugleich, dass von denen im Video genannten Unternehmen keine Spenden an die FPÖ gegangen seien.

Strache entschuldigte sich auch bei seiner Ehefrau, die er mit seinem Verhalten verletzt habe; er wisse, dass auch sie nun zuschaue: "Liebe Philippa, es tut mir von ganzem Herzen leid."

Auch Straches Vertrauter und FPÖ-Fraktionsvorsitzender Johann Gudenus tritt von allen Ämtern zurück. Gudenus war bei dem Treffen auf Ibiza ebenfalls dabei und ist in den Videoszenen zu sehen.

Seit Dezember 2017 koaliert die konservative ÖVP von Sebastian Kurz mit der rechtspopulistischen FPÖ um Parteichef Strache. Kurz selbst will sich am frühen Samstagnachmittag zu dem Fall äußern.

Sehen Sie hier kommentierte Ausschnitte aus dem Video:

mho/otr/pad/jus

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