Österreich Ermittler sollen Haus von Ex-FPÖ-Chef Strache durchsucht haben

Die Staatsanwaltschaft in Wien hat in einem Bestechungsfall mehrere Razzien durchgeführt. Ermittelt wird gegen sechs Personen - dazu gehören Berichten zufolge auch Ex-FPÖ-Chef Strache und sein Parteifreund Gudenus.

Heinz-Christian Strache (Archivbild): Verdacht der Bestechung und der Bestechlichkeit
Leonhard Foeger/ REUTERS

Heinz-Christian Strache (Archivbild): Verdacht der Bestechung und der Bestechlichkeit


Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechung und der Bestechlichkeit bestätigt. Namen nannten die Ermittler allerdings nicht. Medienberichten zufolge soll es in dem Zusammenhang zu einer Hausdurchsuchung beim ehemaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gekommen sein. Auch das Haus von Ex-Fraktionschef Johann Gudenus (FPÖ) sei durchsucht worden. Der ORF bezog sich in seinem Bericht auf Informationen aus Justizkreisen.

Es gehe um den Verdacht der Absprachen zwischen Verantwortlichen eines Glücksspielunternehmens und Amtsträgern der Republik Österreich. Demnach sollte im Gegenzug für einen Posten als Vorstandsmitglied einer Aktiengesellschaft eine parteiische Vergabe von Glücksspiellizenzen vereinbart worden sein, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Nach Angaben der Zeitung "Der Standard" lautet der Vorwurf, die FPÖ habe einen Bezirksrat aus Wien auf Basis eines politischen Deals in den Vorstand eines Glückspielunternehmens hieven lassen. Insgesamt habe es bei sechs Verdächtigen und einem Verband, das könne auch eine Firma sein, Durchsuchungen gegeben, so die Ermittler.

Strache weist die Vorwürfe zurück. "Der gegen mich erhobene Vorwurf entbehrt jeder Grundlage und ist daher lediglich ein weiterer politischer Angriff auf meine Person", teilte Strache am Dienstagabend via Facebook mit. "Ich habe mir keinerlei Verhalten - weder in diesem, noch in anderen Zusammenhängen - vorzuwerfen, das den Straftatbestand der Bestechlichkeit erfüllt." Die Hausdurchsuchung fand bei ihm demnach schon am Montag statt.

Grund für Hausdurchsuchung soll eine Anzeige sein

Grund für die jetzigen Hausdurchsuchungen ist laut "Der Standard" nicht das Ibiza-Video aus dem Jahr 2017, in dem Strache einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte im Gegenzug für die Förderung seiner Partei unter anderem Staatsaufträge in Aussicht stellte. Einen Tag nach der Veröffentlichung im Mai dieses Jahres trat Strache als Parteichef und Vizekanzler zurück, Gudenus trat sogar aus der Partei aus.

Auch in dem Fall wird ermittelt. Die Untersuchungen sind eine Konsequenz der Veröffentlichungen von SPIEGEL und "Süddeutscher Zeitung". Letztlich zerbrach die rechtskonservative Regierung in Österreich an der Ibiza-Affäre. Grund für die neuerlichen Untersuchungen in dem Glücksspiel-Fall soll aber eine später eingegangene Anzeige sein.

"Die Vorwürfe sind haltlos, aber wir kooperieren selbstverständlich mit den Behörden", teilte ein Sprecher des Glücksspielunternehmens mit. Weitere Auskünfte seien nicht möglich, da man zu Behördenmaßnahmen, die Verschlusssache seien, keine Auskunft geben dürfe.

Für Nachfragen des SPIEGEL war die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien nicht zu erreichen.

vks/ptz/dpa

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