Leserfragen zum Strache-Video Warum so, warum jetzt, warum überhaupt?

Seit Veröffentlichung des Ibiza-Videos tauchen immer wieder ähnliche Fragen auf: Hier sind Antworten auf die meistgestellten.

Screenshot aus Strache-Video: "Keine Hinweise auf Manipulation"
Spiegel/Süddeutsche Zeitung/dpa

Screenshot aus Strache-Video: "Keine Hinweise auf Manipulation"


Warum erscheint das Video neun Tage vor der Europawahl?

Der SPIEGEL hat die Enthüllungen rund um FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache rasch nach Prüfung des Materials veröffentlicht, mit der Europawahl hat es nichts zu tun. Das Video wurde am Abend des 24. Juli 2017 in einer Villa auf Ibiza aufgenommen. Der SPIEGEL und die "Süddeutsche Zeitung" haben es erst im Laufe dieses Monats zugespielt bekommen.

Erst nachdem der SPIEGEL und die "Süddeutsche Zeitung" sicher waren, dass das Video authentisch und nicht verfälscht ist, haben sich die beiden Redaktionen zur Veröffentlichung entschieden - weil FPÖ-Chef Strache in dem Video unverhohlen öffentliche Aufträge im Gegenzug für mögliche Wahlkampfhilfen in Aussicht gestellt hatte.

Wie wurde die Echtheit geprüft?

Nach einer ersten Auswertung des Materials haben der SPIEGEL und die "Süddeutsche Zeitung" externe Gutachter hinzugezogen, um sicherzustellen, dass die Aufnahmen nicht gefälscht sind. Ein geprüfter und zertifizierter Sachverständiger für Foto-Forensik, Foto-Anthropologie und digitale Forensik hat die entscheidenden Passagen geprüft. Laut seiner Analyse handelte es sich bei den Personen auf den Videos eindeutig um Heinz-Christian Strache, Johann Gudenus und dessen Ehefrau.

Hinweise, dass die Aufnahmen gefälscht sind, fand der Sachverständige nicht. Ebenso wenig wie das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT in Darmstadt, das für den SPIEGEL ein weiteres datenforensisches Gutachten erstellt hat, wonach "keine Hinweise gefunden werden konnten, die auf eine Manipulation des übermittelten Video- oder Audiomaterials hindeuten".

Woher stammt das Video?

Aus Gründen des Quellenschutzes macht der SPIEGEL keine Angaben über die Herkunft. Es floss weder Geld, noch gab es andere geldwerte oder sonstige Gegenleistungen.

Warum hat der SPIEGEL nur kurze Ausschnitte veröffentlicht?

SPIEGEL und "Süddeutsche Zeitung" haben aus dem mehr als sechsstündigen Material einige der Passagen öffentlich gemacht, die politische Bedeutung haben und damit von hohem öffentlichem Interesse sind. Private Plaudereien, die von den versteckten Kameras festgehalten wurden, gehören nicht in die Öffentlichkeit.

Was sagen Strache und Gudenus zu dem Video?

Vor der Veröffentlichung wurden Strache und Gudenus zu dem Treffen auf Ibiza befragt und ihnen die Möglichkeit gegeben, Stellung zu nehmen. Sie haben die Zusammenkunft bestätigt und auch seither keine ihrer Äußerungen in dem Video bestritten.

"Auf die relevanten gesetzlichen Bestimmungen und die Notwendigkeit der Einhaltung der österreichischen Rechtsordnung wurde von mir in diesem Gespräch bei allen Themen mehrmals hingewiesen", teilte Strache mit, Gudenus äußerte sich fast wortgleich. Das gelte auch für "allenfalls in Aussicht gestellte Parteispenden bzw. Spenden an gemeinnützige Vereine im Sinne der jeweiligen Vereinsstatuten". Er oder die FPÖ hätten "niemals irgendwelche Vorteile" von diesen Personen erhalten oder gewährt.

"Im Übrigen", rechtfertigt sich der inzwischen vom Amt des Vizekanzlers zurückgetretene Strache, "gab es neben dem Umstand, dass viel Alkohol im Laufe des Abends gereicht wurde, auch eine hohe Sprachbarriere, wo ohne einen professionellen Übersetzer von Russisch, Englisch auf Deutsch übersetzt wurde."

red

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