Erstes TV-Interview seit Ibiza-Affäre Strache wirft Kurz Wortbruch vor

Ex-FPÖ-Chef Strache hat dem russlandnahen Onlinesender "RT Deutsch" sein erstes TV-Interview nach dem Ibiza-Video gegeben. Darin greift er den früheren österreichischen Kanzler Kurz scharf an.

Da arbeiteten sie noch zusammen: Strache und Kurz im April im Parlament
Roland Schlager/APA/dpa

Da arbeiteten sie noch zusammen: Strache und Kurz im April im Parlament


Der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat in seinem ersten Interview seit der Veröffentlichung des auf Ibiza gefilmten Skandalvideos Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Wortbruch vorgeworfen. Kurz habe ihm "zugesichert und das Wort gegeben", dass er die rechtskonservative Regierung fortsetzen werde, sollte Strache als Vizekanzler zurücktreten. Das sagte Strache "RT Deutsch", dem deutschen Ableger von "RT", vormals "Russia Today".

Strache war Mitte Mai von allen Ämtern zurückgetreten, nachdem ein von SPIEGEL und "Süddeutscher Zeitung" veröffentlichtes Video von 2017 ihn in massiven Misskredit gebracht hatte. Darin hatte er einer angeblichen russischen Oligarchennichte Staatsaufträge im Gegenzug für Wahlkampfhilfe zugunsten der FPÖ in Aussicht gestellt.

Sein Rücktritt hatte eine politische Kettenreaktion zur Folge, an deren Ende auch Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) durch ein Misstrauensvotum stürzte. Am 29. September soll ein neues Parlament gewählt werden. Zurzeit führt ein Expertenkabinett die Regierungsgeschäfte in Österreich.

Sehen Sie hier: Die Videofalle - Heinz-Christian Strache auf Ibiza

DER SPIEGEL

Strache trat am 18. Mai mittags zurück. "RT Deutsch" sagte er, erst danach habe Kurz die Forderung aufgestellt, dass nun auch Innenminister Herbert Kickl (FPÖ), während der Entstehung des Ibiza-Videos Generalsekretär der Partei, ebenfalls sein Amt abgeben müsse. Sämtliche FPÖ-Minister waren daraufhin aus Solidarität ebenfalls zurückgetreten.

In dem Interview behauptete Strache auch, dass er in der folgenreichen Nacht auf Ibiza keine Drogen konsumiert habe, wie dies von einigen Medien spekuliert wurde. "Ich habe Zeit meines Lebens mit illegalen Drogen nichts zu tun gehabt", sagte Strache dem Sender. Auch von anderen seien bei dem Treffen auf Ibiza keine Drogen konsumiert worden. "Hätte ich das gesehen, wäre ich aufgestanden und gegangen, spätestens dann."

Bereits im Juni hatte Strache ein knapp zehn Minuten dauerndes Video auf seiner Facebookseite veröffentlicht, in dem er seine Ablehnung des errungenen Mandats für das Europaparlament erklärt. In dem Video sagte er auch: "Ich werde mich nicht zurückziehen, mich auch nicht verstecken." Es gibt Gerüchte, er plane ein politisches Comeback.

kko/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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FrankDunkel 10.08.2019
1.
Lustig ist es, wenn ein Gauner einem anderen Unredlichkeit vorwirft ...
haarer.15 10.08.2019
2. Hier hat sich keiner mit Ruhm bekleckert
Die Glaubwürdigkeit der österreichischen Politelite ist längst flöten gegangen - auch und gerade bei Herrn Kurz. Für Österreich wäre daher ein Neustart mit integrem glaubwürdigen Politpersonal sicher das Sinnvollste. Wer auch immer das Ruder übernimmt nach der Wahl im September, der wird sich zum Zwecke des Machterhalts auf keine Experimente mehr mit solch populistischen FPÖ-Rechtsauslegern einlassen. Was gescheitert ist, daraus wird selbst ein S. Kurz seine Lehren ziehen müssen. Interessant wird es allemal.
michael11!! 10.08.2019
3. Überschrift
Ich wundere mich gerade ein bisschen warum sowas auf russischen TV Sendern diskutiert wird anstatt im ORF...
freid 10.08.2019
4. Jaja, keine Drogen.
Dort liegt weißes Pulver, außerdem sieht man, wie eine Person sich Koks über die Zähne reibt(Neben dem Schnupfen macht man das wohl). Was für ein chronischer Lügner. Und seine Frau bekommt jetzt einen EU Posten.
ingenieur-aus-überzeugung 10.08.2019
5. Sicher sehr anstrengend,
immer wieder diese in Opferrolle zu schlüpfen. Sieht der Mann nicht, dass er einfach großen Mist gebaut hat. Was ist da in seiner Kindheit schief gelaufen? Ich habe gelernt, dass man zu seinem Mist steht und nicht versucht andere damit zu bewerfen. Wer den jetzt wählt, hatte wohl eine ähnlich Kinderstube. Ich fürchte aber, die Österreicher werden das tun. Schade um das schöne Land. Irgendwann wird man da dann auch verhaftet, weil man was nicht so nettes gepostet hat, siehe Türkei.
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