Kohl über Thatcher "Ein Wechselbad der Gefühle"

Ihr Verhältnis war weder vertrauensvoll noch herzlich. So beschreibt Altkanzler Helmut Kohl in einem schriftlich geführten Interview seine Beziehung zur verstorbenen Ex-Premierministerin Margaret Thatcher: "Mit ihr war es immer ein Wechselbad der Gefühle."

Thatcher und Kohl (1975 in Bonn): "Eben noch freundlich, dann war alles anders"
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Thatcher und Kohl (1975 in Bonn): "Eben noch freundlich, dann war alles anders"


London - Als "gewissermaßen speziell" hat der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl sein Verhältnis zu Margaret Thatcher beschrieben. "Mit Margaret Thatcher ist es mir - anders als mit anderen Regierungschefs in Europa und der Welt - trotz allem Bemühen von beiden Seiten eben einfach nicht gelungen, ein vertrauensvolles und herzliches Verhältnis aufzubauen", sagte Kohl in einem schriftlich geführten Interview der Zeitung "Times". Die frühere britische Premierministerin war am Montag im Alter von 87 Jahren gestorben.

"Es ist nicht ehrenrührig, wenn Regierungschefs kein herzliches Verhältnis miteinander haben, im Gegenteil, das ist vielleicht eher die Normalität", sagt Kohl, 83, in dem Interview. "Sie konnte eben noch freundlich sein, und im nächsten Moment war alles anders. Mit ihr war es immer ein Wechselbad der Gefühle."

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Margaret Thatcher ist tot: Die Eiserne Lady
Die Britin sei immer für Europa gewesen, aber nicht unter Aufgabe der britischen Souveränität. So beantwortet Kohl die Frage nach dem für ihn wichtigsten Beitrag Thatchers zum europäischen Projekt: "Thatcher wollte Europa, aber ein anderes Europa, als ihre meisten europäischen Kollegen und auch ich es wollten. Dieser - aus unserer Sicht - Widerspruch kennzeichnet die britische Europapolitik bis zum heutigen Tag."

Kohl erinnerte in der Interview aber auch an die schwierigen Verhandlungen mit der "Eisernen Lady" zur deutschen Wiedervereinigung. Thatcher hatte diese zunächst verlangsamen wollen, weil sie fürchtete, Deutschland werde nach zu viel Macht streben. Kohl: "Es gab die Gefahr, dass Deutschland übermächtig würde, damals nicht, und es gibt sie auch heute nicht. Wir Deutschen haben unsere Lektion gelernt."

als/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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julia-s12345 11.04.2013
1. Möge sie in Frieden ruhen
Lasst die Eiserne Lady jetzt in Frieden ruhen. Was Herr Kohl über Thatcher gedacht hat, ist hinlänglich bekannt und muss jetzt nicht mehr aufbereitet werden.
Badischer Revoluzzer 11.04.2013
2. Sie wollte das ureigene Recht
von uns Deutschen verhindern, sich wieder zu vereinigen. Eine Freundin von uns Deutschen war sie also auf keinen Fall. Zum Glück hat sich Kohl durchgesetzt, denn wie könnten wir ein Europa werden, wenn wir immer noch 2 deutsche Staaten hätten. Na Also !
bertholdalfredrosswag 11.04.2013
3. optional
Warum sagt er ananderer Stelle nach Thatshers Ableben: :"Ich bin sehr erschüttert." Einmal ist zu sterben in ihrem Alter total normal und nach seinigen hier wiedergegebenen Einschätzungen bestand ja nun doch kein inniges Verhältnis. Jetzt zeichnet er ein Bild von Thatcher wie auch ich sie einschätzte.
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