Krim-Krise Altkanzler Schmidt verteidigt Putins Ukraine-Kurs

Helmut Schmidt findet das russische Vorgehen auf der Krim "durchaus verständlich", Sanktionen hält er für "dummes Zeug". Die Situation in der Ukraine sei zwar gefährlich - die Schuld dafür sieht der Altkanzler allerdings beim Westen.
Altkanzler Schmidt (Archivbild von 2013): "Der Westen regt sich furchtbar auf"

Altkanzler Schmidt (Archivbild von 2013): "Der Westen regt sich furchtbar auf"

Foto: Ralf Hirschberger/ picture alliance / dpa

Hamburg - Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt findet das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Krim "durchaus verständlich". Das sagte Schmidt der Wochenzeitung "Die Zeit", deren Herausgeber er auch ist.

Heftige Kritik übte Schmidt am Umgang des Westens mit der Krim-Krise. Die von der Europäischen Union und den USA beschlossenen Sanktionen gegen Russland bezeichnet er als "dummes Zeug". Weitergehende wirtschaftliche Sanktionen würden nach Ansicht Schmidts ihr Ziel verfehlen. Auch sie hätten vor allem symbolische Bedeutung, "aber sie treffen den Westen genauso wie die Russen".

Mit Schmidts Wortmeldungen bekommen nun diejenigen Unterstützung, die in der deutschen Debatte um Verständnis für Moskau werben. Ähnlich hatte sich zuvor auch Ex-Kanzler und Parteifreund Gerhard Schröder geäußert.

Schmidt kritisierte auch den Beschluss des Westens, mit Russland nicht mehr im Rahmen der G8 zusammenzuarbeiten. "Es wäre ideal, sich jetzt zusammenzusetzen. Es wäre jedenfalls dem Frieden bekömmlicher als das Androhen von Sanktionen." Schmidt fügte hinzu: "Die G8 ist in Wirklichkeit nicht so wichtig wie die G20. Aus der G20 hat man die Russen bisher nicht rauskomplimentiert."

Westen könnte "Russlands Appetit anregen"

Schmidt nannte die Situation in der Ukraine "gefährlich, weil der Westen sich furchtbar aufregt". Dies führe dazu, "dass diese Aufregung des Westens natürlich für entsprechende Aufregung in der russischen öffentlichen Meinung und Politik sorgt". Zur Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte der 95-Jährige: "Hier ist ein Lob für die Vorsicht der deutschen Bundeskanzlerin angebracht."

Auf die Frage, ob er sich eine Intervention Russlands auch im Osten der Ukraine vorstellen könne, antwortet der Altbundeskanzler: "Ich enthalte mich der Spekulation. Ich halte es für denkbar, aber ich halte es für einen Fehler, wenn der Westen so tut, als ob das zwangsläufig der nächste Schritt sei. Das führt dazu, dass er möglicherweise auf russischer Seite den Appetit anregt."

Schröder hatte Anfang März vor allem den Kurs der EU gegenüber der Ukraine kritisiert und Europa eine Mitverantwortung an der Krim-Krise gegeben.

fab