Heroinschmuggel aus Afghanistan Und der Mohn sprießt wieder

Kaum sind die Taliban vertrieben, kann auf afghanischen Feldern wieder ungestört die Drogenpflanze Mohn sprießen. Britische Geheimdienste befürchten, dass nach einer Rekordernte eine Flut geschmuggelten Heroins nach Europa schwappt.


Reiche Ernte: Afghanischer Bauer in einem Mohnfeld
AP

Reiche Ernte: Afghanischer Bauer in einem Mohnfeld

London - Nach dem Sturz des Taliban-Regimes und dem Ende der heißen Phase des US-Bombardements können afghanische Bauern ihre Mohnfelder offenbar wieder in Ruhe bepflanzen. Polizei und Geheimdienste in Großbritannien warnen deshalb vor einer dortigen Rekordernte und einem deutlichen Anstieg des Heroinschmuggels: Afghanistans Ertrag an Rohopium, aus dem auch Heroin gewonnen wird, könnte in diesem Jahr mit 4600 Tonnen ebenso groß sein wie im bisherigen Rekordjahr 1999, meldet die britische Zeitung "The Guardian"

75 Prozent des weltweit gehandelten Heroins würden aus Afghanistan kommen, heißt es in dem Bericht. Nachdem die Taliban den Anbau der Mohnpflanze im Jahr 2000 verboten hatten, ging der Opiumertrag nach Uno-Angaben im darauffolgenden Jahr aber um mehr als 90 Prozent zurück.

Auch unter der jetzigen afghanischen Übergangsregierung ist es nicht erlaubt, Mohn anzupflanzen. Derzeit gebe es in Afghanistan aber kaum Möglichkeiten für Kontrollen und Verfolgung durch die Justiz, stellte Uno-Sprecher Kemal Kurspahic fest.

Außerdem wird in Afghanistan mit der Opiumproduktion viel Geld verdient. "Das ist ein politischer Alptraum, der den ganzen Friedensprozess untergraben kann", zitiert die Zeitung einen britischen Geheimdienstmitarbeiter. Mohn werde zwar in ganz Afghanistan angebaut, zu Rauschgift verarbeitet würde er aber vor allem in den Paschtunen-Gebieten im Süden und Osten. "Wenn wir die Paschtunen isolieren, unterstützen diese nicht die Regierung", erklärt der Geheimdienstmann.



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