Hilfe für Arafat Schröder will 50 verletzte Palästinenser aufnehmen

Über diese Geste dürfte sich Palästinenserpräsident Arafat besonders freuen: Auf der letzten Station seines Nahost-Besuchs kündigte der Kanzler an, schwer verletzte Palästinenser nach Deutschland auszufliegen.


Freundliche Worte: Schröder und Arafat
AFP

Freundliche Worte: Schröder und Arafat

Gaza-Stadt - Auch sonst zeigte sich Gerhard Schröder äußerst hilfsbereit. Der Bundeskanzler sagte den Palästinensern weitere deutsche Hilfe beim Aufbau zu. Deutschland wolle mit der Unterstützung vor allem bei Infrastrukturprojekten seinen "Beitrag zum Frieden leisten", sagte Schröder am Mittwoch nach einem Gespräch mit Jassir Arafat in Gaza-Stadt. Zugleich warnte er Arafat indirekt vor einer einseitigen Ausrufung eines Palästinenser-Staates. "Einseitigkeiten aller Art" würden in dieser Zeit den Friedensprozess behindern, sagte der Kanzler. In Regierungskreisen hieß es, Schröders Warnungen vor einseitigen Schritten bezögen sich auf alle beteiligten Parteien, also auch auf die Palästinenser.

Schröder sagte, das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und das Recht auf einen eigenen Staat stünden außer Zweifel. Die Ausrufung eines Palästinenser-Staates, die Arafat zuletzt verschoben hatte, steht auf der Tagesordnung des Palästinensischen Zentralrats Mitte November.

Deutschland will nach Arafats Angaben 50 "Schwerverletzte" aus den jüngsten Unruhen zur Behandlung aufnehmen, deren medizinische Versorgung in den Palästinenser-Gebieten nicht möglich sei. Schröder sprach von 50 "Schwerstkranken", in seinem Umfeld hieß es jedoch, damit seien Verletzte der Unruhen gemeint. "Das Leid der Bevölkerung, insbesondere der Kinder und der Jungen hat mich bewegt." Erneut rief Schröder zum Ende der Gewalt und zur Fortsetzung der Friedensverhandlungen auf. Seit Beginn der Unruhen in den Palästinenser-Gebieten vor rund fünf Wochen starben mindestens 155 Menschen. Die meisten der Opfer waren Palästinenser.

Arafat dankte Schröder für die deutsche Unterstützung im Friedensprozess und für seinen Besuch in Gaza-Stadt. Dieser Besuch werde "eine große Hilfe in der schwierigen politischen Lage" sein. Ein Gespräch Schröders mit dem palästinensischen Parlamentspräsidenten Ahmed Korei entfiel aus Zeitgründen. Nach Abschluss seiner fünftägigen Nahost-Reise wird Schröder noch am Abend in Deutschland zurückerwartet.



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